Unterwegs in Europa

Barcelonas Superblocks, Paris’ Vélos und Stockholms Sommerstraßen – in den Metropolen unserer Nachbarländer gibt es kreative Ideen, wie man weniger Auto wagen kann.

SPD-Landtagsfraktion – Luisa Neurath

Hessen liegt im Herzen von Europa, mit dem Frankfurter Flughafen und dem Hauptbahnhof sind wir bestens mit unseren europäischen Nachbarinnen und Nachbarn vernetzt. In Sachen Mobilitätswende können wir dabei viel voneinander lernen – denn einige unserer europäischen Nachbarländer haben bereits interessante Modellprojekte entwickelt, die auch in Hessen umgesetzt werden könnten. Wir wagen daher einen Blick in Europas Metropolen, die die Zukunft der Mobilität auf unserem Kontinent neu denken.

Bunte Plätze statt trister Asphaltwüste

Barcelona hatte bislang nicht den Ruf einer grünen, nachhaltigen Stadt. Die Stadt gehört zu den am dichtesten besiedelten Städten Europas. Pro Kopf stehen hier nur 2,7 Quadratmeter Grünfläche zur Verfügung – zum Vergleich: In Frankfurt sind es rund 13 Quadratmeter. Ein hohes Verkehrsaufkommen und starke Luftverschmutzung gehören hier zum Alltag. Seit 2016 sorgt nun das Stadtentwicklungsprojekt der „Superblocks“ für mehr Grün und eine höhere Lebensqualität. Dazu wurden je neun der schachbrettartigen Häuserblocks zu einem verkehrsberuhigten Bereich zusammengeschlossen, der Durchgangsverkehr wurde stark reduziert und auf 10 km/h begrenzt. So entstanden beispielsweise auf den ehemaligen Kreuzungen im Stadtteil Poblenou neue Plätze zum Spielen und Picknicken, es gibt öffentliche Sportgeräte, ein Quartiersparlament und einen Marktplatz. Zusätzliche Pflanzen und Bäume sorgen nun für ein besseres Stadtklima und trotz anfänglicher Skepsis führten die Superblocks auch zu positiven wirtschaftlichen Entwicklungen für kleinere Läden und Gastronomie in den neu geschaffenen Bereichen.

Paris setzt aufs Rad

Wie viele Metropolen hat auch Paris seit den 1960er Jahren das Auto in den Mittelpunkt seines Infrastrukturausbaus gestellt. Zwischen mehrspurigen Straßen und Parkplätzen gestaltet sich der Ausbau von Radwegen mitunter als schwierig – und vor allem zeitaufwändig. Mit der Verkehrsstrategie „Plan Vélo“ verfolgt Bürgermeisterin Anne Hidal-go seit 2015 daher die Absicht, bestehende Flächen umzuwidmen und so den Umstieg auf das Fahrrad zu erleichtern. So wurden zwischen 2015 und 2020 rund 160 Millionen Euro in den Ausbau des Radnetzes investiert.

Der Corona-Lockdown hat die Umwidmung von Straßen vom Auto- zum Radverkehr dann sogar noch beschleunigt: An den Hauptachsen der Stadt wurden spontan 50 km Pop-up-Radwege geschaffen. So entstand beinahe über Nacht ein ganzes Netzwerk an Radwegen, das durch Plastik- oder Betonpylonen vom Autoverkehr räumlich getrennt ist. Statt sich in vollen Bussen und Metros zu drängen, setzten so auch in Paris mehr Menschen aufs Rad.

Im Sommer bleibt das Auto draußen

Lebendiges Stockholm – unter diesem Namen werden in der schwedischen Hauptstadt zwischen Mai und September temporäre Fußgängerzonen errichtet. Was mit zwei autofreien Straßen im Stadtzentrum begann, erstreckt sich mittlerweile bis in die Außenbezirke der Stadt. Vom Auto befreit hauchen Kultur und Sport den Straßen neues Leben ein: Pflanzen, Möbel, Kulturprogramme und Pop-up-Parks mit Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen und zum geselligen Austausch ein.

Autoarme Stadtplanung und Mobilitätsstrategien

Ein Blick auf unsere europäischen Nachbarn zeigt also: Stadtplanung und Mobilitätsstrategien,bei denen das Auto nicht im Zentrum steht, sind nicht nur möglich, sondern sogar erfolgreich. Das gibt Zuversicht, diese Konzepte auch bei uns in Hessen auszuprobieren.