Schule fürs Leben

Schülerinnen und Schüler lernen zusammen
Bild: Rido81 / Envato Elements

von Linus Schubert

Wieder ist ein Schuljahr um und immer noch weiß ich nicht, was für einen Beruf ich erlernen soll oder was mich im späteren Berufsleben erwartet. So wie mir geht es einigen meiner Schulkamerad*innen. Wir fragen uns, was wir studieren sollen oder ob wir lieber eine Ausbildung machen, ob wir den Fokus auf Familie oder Karriere richten sollen und wie man überhaupt eine Steuererklärung macht. Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft uns der Schulunterricht leider überhaupt nicht weiter. Was ich stattdessen mitnehme aus meinen mittlerweile elf Jahren Schule? Gedichtanalysen, Geräteturnen und Ableitungen. Bestimmte Berufe und Hobbys ausgenommen, wird die Mehrheit von uns Schüler*innen solche Themen nach der Schule nicht mehr brauchen und vergessen.

Könnte die Schule nicht auch Themen lehren, die uns etwas mehr auf das Erwachsenenleben vorbereiten? Wir Schüler haben so oft gefordert Steuererklärungen und Kochen auf den Lehrplan zu bringen. Auch Ernährung, Versicherungen und umweltbewusstes Leben würden wir gerne im Unterricht behandeln. Natürlich hat der Schultag nicht unendlich viele Stunden, aber kann man nicht von den elf Stunden Naturwissenschaften in der Woche ein paar Stunden durch ein Fach ersetzen, das uns auf das Berufsleben vorbereitet?

Verbesserungsbedarf sehe ich auch in der Vermittlung sozialer Kompetenzen. Vor lauter Büffeln von Inhalten bleibt im Schulalltag kein Raum mehr für das Lernen von Teamgeist, Kritikfähigkeit oder Verantwortung, am Nachmittag keine Zeit für Freunde und Hobbys. Frustrierend ist, wenn sich hinterher die harte Arbeit während der Schulzeit nicht einmal lohnt. Etwa wenn man Medizin studieren will, aber eine schlechte Note in Reli den Abi-Schnitt versaut. So steht man unter Druck, in allem gut sein und abliefern zu müssen. Ob du mental unter diesem Druck leidest, interessiert keinen.

Natürlich ist nicht das ganze Schulsystem über den Haufen zu werfen. Das in der Schule durch den Lehrplan vermittelte Wissen bildet die Grundlage für unsere Allgemeinbildung, die uns zu einem Mitglied dieser Gesellschaft macht. Doch in 40 Schulwochen muss es doch möglich sein, mehr auf die Berufswelt und Studien- und Ausbildungsauswahl einzugehen als mit einer Stunde Berufsbildungsmesse alle zwei Jahre. Ich wünsche mir, dass die Schule zu einem Ort wird, an dem Allgemeinbildung und Orientierung vermittelt und darüber hinaus Sozialkompetenzen und Zusammenhalt von Schüler*innen gestärkt werden.

Linus Schubert ist Schüler der 12. Klasse