Kurz Erklärt

Umweltschonende Fahrgemeinschaften im Alltag

Dr. Daniela Sommer ist Mitglied des Hessischen Landtags und Parlamentarische Geschäftsführerin.

Meine Heimat ist der Landkreis Waldeck- Frankenberg. Von hier aus fahre ich meistens mit dem Auto zur Arbeit in den Landtag. Leider stehe ich aber oft im Stau. Deswegen habe ich sogar schon mal fünfeinhalb Stunden von Wiesbaden nach Hause gebraucht. Damit die Fahrt nicht so langweilig wird und wir umweltschonender unterwegs sind, verabrede ich mich oft mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu Fahrgemeinschaften. Ich würde eigentlich auch gerne häufiger mit der Bahn fahren. Aber das gestaltet sich für mich sehr schwierig. Das ÖPNV-Netz in Waldeck-Frankenberg ist nicht ausreichend ausgebaut und die Taktungen sind zu lang. Der Zeitaufwand, um von A nach B zu kommen, ist deswegen viel zu groß. Wenn es überhaupt möglich ist. Wenn ich aber mal nach Berlin möchte, dann lohnt es sich auch für mich den Zug zu nehmen. Für den ländlichen Raum würde ich mir wünschen, dass der ÖPNV weiter ausgebaut wird. Wir brauchen mehr Strecken, mehr Vernetzung und eine engere, verlässliche und regelmäßige Taktung.

Aufgezeichnet von Lätitia Schöninger 

Mit dem Radl da

Oliver Ulloth ist Mitglied des Hessischen Landtags.

Als leidenschaftlicher Radfahrer fahre ich auch gerne mal mit dem Rad zur Arbeit oder zu Terminen in meinem Wahlkreis, dem Landkreis Kassel. Zu meinen Terminen nehme ich gerne das Pedelec. So kann ich die Fahrzeit zuverlässig zwischen den Terminen takten und komme nicht völlig außer Atem an, wenn ein Grußwort gehalten werden soll. Um eine sportliche Herausforderung ging es im vergangenen Jahr, als ich zu Gunsten unserer Jugendfeuerwehren innerhalb von 24 Stunden mit einem Fahrrad (ohne Motor) von meinem Wahlkreisbüro in Hofgeismar nach Wiesbaden in den Landtag gefahren bin. Bei der Wette, für die ich rund 260 Kilometer und 2.100 Höhenmeter durch Hessen radelte, sind insgesamt 5.500 € für die Jugendarbeit der Feuerwehren zusammengekommen. Mir ist wichtig, täglich bewusst über die Wahl meines Verkehrsmittels nachzudenken. Nicht immer ist es notwendig, das Auto zu nehmen. Dennoch darf das Auto nicht verteufelt und so die Mobilität zur Frage des Entweder-oder gemacht werden. Stattdessen müssen wir uns fragen: „Gibt es eine Alternative zum Auto?“ Als Abgeordneter aus Hessens Nordspitze habe ich im Vergleich zu meinen Kolleginnen und Kollegen einen der weitesten Heimwege und dennoch bewältige ich ihn häufig mit Bahn und Bus. Per se zu sagen, dass Pendeln mit dem ÖPNV nicht funktioniert, ist mir zu bequem und trifft auch in meinem Fall nicht zu. Die Zeit, die ich in einem Zug oder Bus sitze und kein Lenkrad in der Hand habe, kann ich zum Arbeiten „im rollenden Büro“ oder zum Ausruhen nutzen. Drei Dinge sind für einen erfolgreichen ÖPNV wichtig: eine regelmäßige Taktung, die Fahrzeit sollte adäquat zur Fahrtstrecke und die Preise sollten im Vergleich zum PKW attraktiv sein.

Aufgezeichnet von Lätitia Schöninger

Familie Mobil

Nadine Gersberg ist Abgeordnete der hessischen SPD-Landtagsfraktion und Mutter von zwei kleinen Kindern.

Ich lebe mit meiner Familie in der Stadt Offenbach. Mobilität spielt eine große Rolle in unserem Leben und Alltag. Wir sind als Familie sehr vielfältig unterwegs. Die Kinder werden mit einem Lastenfahrrad oder per Bus in die Kitas gebracht und ich selbst fahre mit unserem gemieteten E-Auto oder auch mit der Bahn zur Arbeit. Mein Mann ist Lokführer und arbeitet im Schichtdienst. Er benutzt deshalb meistens unser Auto, um zur Arbeit zu kommen. Wenn ich in meinem Landkreis Termine habe, dann nehme ich gerne das Fahrrad oder gehe bei gutem Wetter zu Fuß. Wir versuchen so oft wie möglich auf unser Auto zu verzichten, haben aber festgestellt, dass wir es ganz ohne nicht schaffen. Vor allem mein Mann muss für seine Arbeit sehr flexibel sein und manchmal reicht die Zeit, die wir mit der S-Bahn brauchen, nicht aus, um pünktlich unsere Kinder aus den Kitas abholen zu können. Unsere Entscheidung fiel daher auf ein Elektroauto. Fahre ich damit nach Wiesbaden, kann ich es sogar im Landtag aufladen. In Offenbach selbst ist es für uns einfach, von A nach B zu kommen. Bis spät am Abend fahren hier regelmäßig Busse und nach Frankfurt dauert es nur eine halbe Stunde mit Bus und Bahn, sofern alles glatt läuft. Vor allem meine Kinder lieben es, Bus zu fahren. Sie sind jetzt schon vertraut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und können, wenn sie älter sind, auch allein fahren. In der Stadt zu wohnen hat für uns viele Vorteile. Manchmal ist es uns aber auch zu laut durch den Auto- und Flugverkehr. Wir wollen daran mitwirken, dass es leiser wird und auch die Luft sich verbessert. Deshalb achten wir darauf, so gut wie möglich umweltbewusst mobil zu sein. Das wollen wir auch unseren Kindern beibringen. Hier wünschen wir uns, dass Wege viel sicherer und kindgerechter werden. Für den Ausbau der Sicherheit fehlt es an Fördermöglichkeiten, finde ich. Ich denke, ein großes Problem der Mobilität in Hessen liegt im Schienenverkehr. Es gibt ständig Zugausfälle oder Verspätungen. Durch den Beruf meines Mannes habe ich einen besonderen Einblick und weiß, dass es zu wenig Strecken gibt, so können auch nicht mehr Züge eingesetzt werden. Der unzuverlässige Schienenverkehr führt auch dazu, dass viele Menschen eher das Auto nehmen.

Aufgezeichnet von Maya Ryan und Yasmin Klebba