Ein Schulminister, dem die Schulen egal sind

Bild: Christof Mattes; CC BY-SA 4.0

Lehrkräftemangel und vermurkste Digitalisierung.

SPD-Landtagsfraktion – Christoph Degen

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht, dem hessischen Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. Wer ihn reden hört, der hört Geschichten von einer nahezu perfekten Schullandschaft in Hessen, in der glückliche Schülerinnen und Schüler von motivierten und motivierenden Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, gefördert und aufs Leben vorbereitet werden.

Das Problem an diesen Geschichten ist: Sie sind nicht wahr.

Das größte Problem, mit dem sich die Schulen – und damit die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern – in Hessen konfrontiert sehen, ist der eklatante Mangel an Lehrkräften. Der wiederum ist das Ergebnis einer missratenen Personalplanung des Landes und fehlender Studienplätze. Ausgerechnet an den Grundschulen, die letztlich das Fundament für die weitere Bildungskarriere legen, ist der Lehrkräftemangel mit am größten. Und er wird noch größer werden, wenn ab 2026 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen greift. Dann fehlen allein in Hessen mindestens 4.100 Fachkräfte und 71.000 Betreuungsplätze zusätzlich.

Aber der Lehrkräftemangel bekümmert den Kultusminister ebenso wenig wie die vermurkste Digitalisierung unserer Schulen. Mit dem Ausbruch der Corona- Pandemie hat sich gezeigt, dass Hessen auf den digitalen Unterricht absolut nicht vorbereitet war – und daran hat sich während der fast drei Jahre, die seither vergangen sind, nicht viel geändert. Es gibt bis heute kein schlüssiges, landesweit anwendbares Konzept für den Einsatz von digitalen Lehr- und Hilfsmitteln, keine angepassten Lehrpläne und kaum Fortbildungen für die Lehrerinnen und Lehrer. Kurz: Die hessischen Schulen sind für die Gegenwart schlecht ausgestattet und auf die Zukunft nicht vorbereitet.

Verantwortlich dafür ist der Schulminister, der sich einfach nicht für Schule interessiert – sondern nur für schöne Geschichten.