Bürgerbus Bad König

Ein Verein im Odenwaldkreis macht ältere Menschen mobil und finanziert echte Teilhabe.

SPD-Landtagsfraktion – Christina Schäfer

Die 79-jährige Frau Baumann steht vor einem Supermarkt in Bad König und wartet auf den Bürgerbus. Pünktlich biegt der weiße VW-Bus auf den Parkplatz ein. Fahrer Michael Voigt steigt aus, begrüßt seine Kundin und hievt ihre Einkaufstaschen in den Kofferraum. „So ein Service“, freut sich Frau Baumann. Der 76-jährige Voigt ist ehrenamtlicher Fahrer und zweiter Vorsitzender des Bürgerbus Bad König e.V., einer Initiative der Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Der Bürgerbus verkehrt immer dienstags und donnerstags und ist telefonisch buchbar. Die Passagiere werden am Wunschort abgeholt und zum Wunschort gefahren. Das Angebot richtet sich an Menschen, die in Bad König leben, über 60 Jahre alt sind oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. „Das Angebot des öffentlichen Verkehrs in Bad König reicht hinten und vorne nicht, wir mussten uns etwas einfallen lassen“, sagt Voigt.

Bad König und seine sieben Stadtteile gehören zum ländlichen Raum des Odenwaldkreises. Busse fahren nur selten. Das Auto ist für die knapp 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner das Hauptverkehrsmittel. Wer keins hat oder nicht fahren kann, hat kaum Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. Das stellt vor allem ältere Menschen vor große Herausforderungen. Frau Baumann muss zur nächsten Bushaltestelle 15 Minuten zu Fuß gehen. Nur zwei Mal am Tag fährt hier ein Bus ab. Ihre vollen Einkaufstaschen von der Haltestelle bis zum Haus am Hang hinaufzutragen, würde sie nicht schaffen.

Um diese Versorgungslücke zu schließen, taten sich im Oktober 2017 Freiwillige zusammen, gründeten einen Verein und sammelten Spenden, Mitglieder und Sponsoren. „Von dem Geld konnten wir den Bus, einen Laptop und ein Handy anschaffen“, sagt der erste Vorsitzende Hans-Nikol Biehl. Für eine Landesförderung hätten sie sich auch beworben, aber leider den Zuschlag nicht bekommen. Doch die Ehrenamtlichen ließen sich nicht entmutigen. Von Beginn an organisieren und finanzieren sie ihr Projekt selbst. Insgesamt wechseln sich zwölf Fahrer und Fahrerinnen im Betrieb des Busses ab und weitere ehrenamtliche Kräfte, unter anderem Voigt und Biehl, organisieren die Fahrpläne. „Wenn es den Bürgerbus nicht gäbe, müsste ich mit dem Taxi fahren. Das wäre viel zu teuer für mich“, sagt Frau Baumann. Die Fahrt mit dem Bürgerbus ist für sie kostenlos. Während der Fahrt steckt sie eine kleine Spende in eine ausgediente Tennisballbüchse, die als Spardose zwischen den Vordersitzen im Bus baumelt. Angekommen in Nieder-Kinzig, trägt Voigt die Einkaufstaschen noch bis vor die Haustür. „Ganz herzlichen Dank und bis in zwei Wochen“, sagt Frau Baumann. Voigt sitzt schon wieder im Bus und schaut auf den Fahrplan. Sein nächstes Ziel ist ein Supermarkt in Bad König, die 87-jährige Frau Schwebs war einkaufen und möchte zurück nach Hause.

Unser örtlicher Abgeordneter Rüdiger Holschuh zum Bad König:

„Was die Ehrenamtlichen von Bürgerbus e.V. für die Teilhabe von Seniorinnen und Senioren in Bad König leisten, ist bemerkenswert. Mit ihrem Angebot haben die älteren Menschen in Bad König die Möglichkeit, selbstständig ihre Einkäufe zu erledigen, sich mit anderen zu treffen oder am kulturellen Leben in Bad König teilzunehmen. Das ist gelebte Solidarität und bedeutet Mobilität für die Menschen, die im ländlichen Raum des Odenwaldkreises leben, nicht Auto fahren und auch das Angebot des ÖPNV nicht nutzen können. Der Bürgerbus wirkt so gegen Einsamkeit und für Selbstständigkeit und Freiheit im Alter. Wünschenswert wäre, wenn dieses großartige Engagement für den zukünftigen Erhalt vom Land gefördert würde.“

Aufgezeichnet von Christina Schäfer

 

On-Demand-Verkehre in Hessen

Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat Verkehre auf Abruf im Angebot. Die Flotte besteht aus elektrischen Kleinbussen: etwa dem „Hopper“ im Kreis Offenbach, „Emil“ in Taunusstein oder „Knut“ in Frankfurt.

Fahrten sind über die App „RMV On-Demand“ abrufbar und buchbar.

Kosten: RMV-Tarif zuzüglich Komfortzuschlag.

Manko – nicht alle On-Demand- Verkehre im RMV-Gebiet sind in der App enthalten. Manche Gebiete haben eine eigene App, wie der „Heiner Liner“ in Darmstadt oder „Odenwald garantiert mobil“ für den Odenwaldkreis.

Der Nordhessische Verkehrsverbund bietet Anruf-Sammel-Taxis (AST), Jugendtaxis in der Nacht unter „Mobilfalt“ – ein fahrplanunabhängiges AST in Melsungen. Im Werra- Meißner-Kreis kann man privat mitgenommen werden.