Lisa Gnadl: Mädchen vor Genitalverstümmelung schützen – gesundheitliche und psychische Folgen verhindern

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Lisa Gnadl, ruft auch in diesem Jahr zum bundesweiten Aktionstag von TERRE DES FEMMES auf, der sich am morgigen 25. November 2017 mit dem Thema weibliche Genitalverstümmelung beschäftigt. Gnadl sagte dazu am Freitag in Wiesbaden: „Weltweit erlebt über ein Drittel der Frauen in ihrem Leben Prügel, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder anderweitigen Missbrauch. Ein besonders dunkles Kapitel der Gewalt gegen Frauen ist die weibliche Beschneidung. Das Thema ist so schrecklich, dass die Vorstellung kaum zu ertragen ist.“
Das Entfernen oder die Beschneidung der Klitoris – oft mit Rasierklingen oder Glasscherben – werde besonders in afrikanischen Ländern, aber auch in manchen asiatischen Staaten praktiziert. Meistens seien Mädchen im Alter von vier bis zwölf Jahren betroffen, manchmal auch Babys. Es sei richtig und wichtig, dass TERRE DES FEMMES mit dem diesjährigen Aktionstag ein Augenmerk auf dieses dunkle Kapitel lege. Die gesundheitlichen und psychischen Folgen für die weltweit etwa 140 Millionen Betroffenen seien dramatisch bis lebensgefährlich. Dies dürfe man nicht ignorieren.
Frauenorganisationen schätzten, dass auch in Deutschland mehr als 58.000 Mädchen und junge Frauen bereits Opfer von Beschneidungen geworden seien. Mindestens 13.000 Mädchen seien gefährdet.
„Nur wenn ein Elternteil oder Familienmitglied mit der gefährlichen Beschneidung nicht einverstanden ist, kommt der Vorfall ans Licht und kann verhindert werden“, sagte die SPD-Politikerin. Das mache die Dunkelziffer hoch und die Prävention schwierig.
Gnadl unterstützt daher die Forderung von TERRE DES FEMMES: „Neben verstärkter Aufklärungsarbeit brauchen wir auch einen besseren Schutz von gefährdeten Mädchen. Dafür muss das Thema weibliche Genitalverstümmelung in Aus- und Weiterbildungspläne von Fachpersonal aus medizinischen, pädagogischen, sozialen und juristischen Berufsfeldern aufgenommen werden. Nur so kann rechtzeitig eine Gefährdung erkannt und kompetent gehandelt werden. Auch spezialisierte Beratungsstellen müssen flächendeckend in Deutschland gesichert sein, um sowohl Gefährdete als auch Betroffene mit ihren speziellen Bedürfnissen qualifiziert zu unterstützen.“
„Uns ist wichtig, niederschwellige Angebote wie zum Beispiel Mädchentreffs, stärker fördern, um einen Zugang zu den Mädchen zu bekommen. Die SPD hat dieses Thema auf ihrer Agenda und wird sich dem auch im Rahmen ihrer Haushaltsanträge diesem widmen“, so Gnadl.