Christoph Degen: Schwarz-grüne Schlafmützigkeit bei Lehrerbedarfsplanung

Auf Antrag der SPD-Fraktion hat sich der Hessische Landtag am Mittwochmorgen mit dem akuten Lehrkräftemangel an Hessens Schulen beschäftigt. In der Plenardebatte warf der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Christoph Degen der schwarz-grünen Koalition Schlafmützigkeit vor.

Degen sagte in Wiesbaden: „Der eklatante Lehrermangel in Hessen ist keine Überraschung, sondern ein koalitionsgemachtes Problem. Statt Brandbriefe von Schulkollegien ernst zu nehmen und darauf zu reagieren, versucht Schwarz-Grün, die Probleme auszusitzen. Aktiv wird diese Landesregierung erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Versäumnisse schön zu reden, ist nicht die Lösung, sondern das Problem."

Die SPD habe, so Degen, mit einer Reihe von Anfragen auf die Problematik immer wieder hingewiesen. Seine Fraktion habe Anträge zur Steigerung der Aus- und Weiterbildungskapazitäten in den Landtag eingebracht und in parlamentarischen Initiativen herausgearbeitet, dass vor allem für das Lehramt an Förderschulen Handlungsbedarf bestehe. Nicht zuletzt habe das Kultusministerium in der Antwort auf die Große Anfrage der SPD betreffend der Unterrichtssituation und Lehrkräftebedarf in Hessen bereits 2015 zugegeben, dass vor allem an Beruflichen Schulen und Förderschule ein Lehrermangel herrsche und ebenfalls erhöhte Bedarfe für Grundschulen prognostiziert. „Die Landesregierung hätte daher auf Vorschläge der Opposition eingehen können statt sie rundweg abzulehnen. Getan hat sie aber nichts. Allenfalls die inakzeptable Streichung von 140 Stellen an Grundschulen hat den Lehrermangel abgebremst“, kritisierte Degen.

„Wer Proteste lieber ad acta legt, statt auf sie einzugehen, wird irgendwann von der Realität eingeholt“, sagte Degen. „Statt Versäumnisse einzugestehen, machen CDU und Grüne die Seiteneinsteiger und die Stundenreduzierung für Beamte für den Mangel verantwortlich. Das ist ein schlechter Stil. Die Flüchtlingswelle habe vor allem an weiterführenden Schulen für steigende Schülerzahlen gesorgt, jedoch nur zum Teil an Grundschulen und so gut wie gar nicht an Förderschulen. Die Absenkung der Beamtenarbeitszeit von 42 auf 41 Stunden wurde zudem bereits 2013 im Koalitionsvertrag festgehalten. Schwarz-Grün ist beratungsresistent. Wieder einmal haben erst Eltern-, Schüler und Lehrerproteste dazu geführt, dass der propagierte schöne Schein von der besten Lehrerversorgung wie eine Seifenblase zerplatzt ist“, so der bildungspolitische Sprecher.

Degen plädierte für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für hessische Lehrkräfte, um für junge Leute die Aufnahme eines Lehramtsstudiums wieder attraktiv zu machen. Lehrkräfte an Grundschulen hätten die höchste Unterrichtsverpflichtung, verdienten jedoch weniger als die Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulformen. „Mit dieser Ungleichbehandlung muss Schluss sein. Hessen braucht endlich eine verlässliche, nachhaltige und transparente Lehrerbedarfsplanung und keine Flickschusterei“, forderte Degen.