Turgut Yüksel: Die Defizitorientierung schwarz-grüner Bildungspolitik lässt die vielfältigen Potenziale ungenutzt

Die Antworten der Landesregierung auf die Kleinen Anfragen zum herkunftssprachlichen Unterricht an hessischen Schulen (19/3348 und 19/3347) hat der SPD-Bildungspolitiker Turgut Yüksel wie folgt bewertet:

„Mit ihren Antworten hat die Landesregierung den Vorwurf, herkunftssprachlicher Unterricht sei in Hessen ein Auslaufmodell, eindrucksvoll bestätigt. Es ist ernüchternd festzustellen, dass die Defizitorientierung schwarz-grüner Bildungspolitik immer noch die vielfältigen Potenziale der Schülerinnen und Schüler ungenutzt lässt. Kinder mit einer Migrationsgeschichte sind keine abstrakte Problemgruppe, sondern eine Bereicherung für unser Land und sollten in ihren Kompetenzen angemessen gefördert und gestärkt werden. Die Entscheidung der Landesregierung Lehrkräfte sukzessive aus dem herkunftssprachlichen Unterricht abzuziehen, ist falsch.

Herkunftssprachlicher Unterricht ist ein wichtiges Instrument, um die sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen dieser in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Kinder zu fördern. Angesichts einer international verflochtenen Wirtschaft ist dies auch im Interesse Deutschlands. Diese gesellschaftspolitisch bedeutsame Aufgabe gehört darum in die Hände des Kultusministeriums.

Stattdessen behandelt die Landesregierung den herkunftssprachlichen Unterricht stiefmütterlich und wälzt die Verantwortung für diesen wichtigen Unterricht auf die jeweiligen Herkunftsländer ab. Auch, dass die Landesregierung es für völlig normal hält, dass die Herkunftsländer ihr Angebot wiederum an Eltern- und Kulturvereine delegieren oder Teilnahmegebühren erheben, ist äußerst befremdlich. Mit einem hochwertigen staatlichen Angebot hat das alles nichts mehr zu tun.

Die SPD-Fraktion fordert weiter, dass der herkunftssprachliche Unterricht endlich als zweite oder dritte Fremdsprache in den Regelunterricht integriert wird – und zwar als versetzungs- und notenrelevantes Wahlpflichtfach. Strukturelle Benachteiligung von Kindern mit einem Migrationshintergrund insbesondere im Bildungsbereich ist kein abstraktes Hirngespinst, sondern Realität. Die Förderung von individuellen Stärken wie Mehrsprachigkeit ist deshalb ein wichtiges und notwendiges schulpolitisches Ziel.“