Lisa Gnadl: Wir fordern ein Recht auf eine berufliche Qualifizierung

Die stellvertretende Vorsitzende und ausbildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Lisa Gnadl hat eine parlamentarische Initiative der SPD zu einem Recht auf berufliche Qualifizierung angekündigt. „Ohne Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden, ohne ausgebildete junge Menschen wird sich der Fachkräftemangel deutlich verschärfen und ohne eine Reform bleibt das Übergangssystem teuer und ineffizient. Bereits durch diese drei Argumente wird deutlich, warum wir jetzt handeln müssen, damit allen jungen Menschen in Hessen eine Ausbildung ermöglicht wird, die Betriebe auf ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen können und wir kein Geld in nutzlose Warteschleifen investieren“, sagte Gnadl am Freitag in Wiesbaden.

Die Situation auf dem hessischen Ausbildungsmarkt sei seit Jahren problematisch, die Landesregierung jedoch handele nicht. „Wir verzeichnen jedes Jahr einen Rückgang bei den angebotenen Ausbildungsplätzen und immer weniger Betriebe bilden überhaupt aus. Die Vorteile der dualen Ausbildung lassen sich aber in einer vollschulischen außerbetrieblichen Ausbildung nicht einfach ersetzen. Deshalb müssen wir die Betriebe unterstützen, damit mehr junge Menschen einen Ausbildungsplatz bekommen können“, forderte Gnadl. Gerade kleinere und mittlere Betriebe seien heute mit sozialen Herausforderungen überfordert und bräuchten Unterstützung durch außerbetriebliche Kräfte, die Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen mit sozialpädagogischem Bedarf hätten.

„Wichtig ist aber in erster Linie, dass junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen, eine Anlaufstelle haben, die ihnen alle notwendigen Informationen gibt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir haben derzeit ein völlig unübersichtliches Angebot an Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, die zum Teil aber den jungen Menschen gar nicht weiterhelfen, sondern sie lediglich in einer Warteschleife belassen“, kritisierte die SPD-Fachfrau. Damit werde das Problem nur vertagt, denn die meisten Maßnahmen führten nicht dazu, dass eine später begonnene Ausbildung verkürzt werde. „Damit rauben wir den Jugendlichen den Rest an Motivation, den sie noch haben. Sie bemühen sich, strengen sich an, aber es bringt ihnen nichts. Auch deshalb muss dieses System schnellstens reformiert werden“, so Gnadl.

Die SPD-Politikerin verwies auf den umfassenden Antrag, den ihre Fraktion in der kommenden Woche im Plenum zum Setzpunkt gemacht habe. „Wir halten es für erforderlich, dass wir jetzt handeln und nicht einer unguten Entwicklung weiterhin tatenlos zusehen. Wir müssen die jungen Menschen, um die es geht, schnell erreichen. Wir müssen ihnen konkrete Angebote machen und sie motivieren. Wir müssen zudem den Betrieben Unterstützung anbieten, damit die Zahl der dualen Ausbildungsverträge möglichst schnell steigt und auch junge Menschen mit nicht weniger guten Schulabschlüssen und sozialem Unterstützungsbedarf eine Chance haben. Wir müssen die Maßnahmen, die nicht weiterführen, umgehend abschaffen und die vorhandenen Ressourcen für zielführende Dinge nutzen“, erläuterte Gnadl. Die hessische SPD habe dazu bereits im letzten Jahr ein umfassendes Konzept vorgelegt, das die einzelnen Schritte ausführe.

„Andere Bundesländer haben sich bereits auf diesen Weg gemacht. Hamburg ist schon sehr weit, Nordrhein-Westfalen und auch Rheinland-Pfalz sind ein gutes Stück vorangekommen. Wir müssen jetzt die Weichen stellen für gute Ausbildung, weil dies den jungen Menschen und den Betrieben nutzt. Und weil wir damit dem Fachkräftemangel begegnen können und die vorhandenen Mittel sinnvoll einsetzen“, sagte Gnadl.