Gerhard Merz: Demografische Entwicklung ist eine zentrale bildungspolitische Herausforderung

Der Obmann der SPD-Fraktion in der Bildungs-Enquête-Kommission des Hessischen Landtags Gerhard Merz hat im Anschluss an die heutige Anhörung zur demografischen Entwicklung diese sowohl „in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht als eine der zentralen Herausforderungen für die Bildungspolitik“ bezeichnet. „Dabei ist nicht nur der – regional sehr unterschiedliche – Rückgang der Schülerzahlen in den Blick zu nehmen, sondern vor allem die sich sehr stark verändernde Zusammensetzung der Schülerschaft. Nötig ist außerdem ein differenzierter Blick auf die unterschiedlichen Bereiche des Schulsystems, insbesondere auch auf den Bereich der beruflichen Bildung und das Übergangssystem Schule-Beruf“, sagte Merz.

Der Sachverständige und Bildungsforscher Professor Dr. Horst Weishaupt vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) habe sehr eindringlich die Folgen der sich verändernden demografischen Struktur für das hessische Bildungssystem erläutert, aber auch die damit einhergehenden gesamtgesellschaftliche Auswirkungen. „Insgesamt war sein Vortrag ein Plädoyer gegen die wachsende Tendenz zur sozialen Segregation der Schülerzusammensetzung zwischen den einzelnen Schulformen dringend Einhalt, für ein Zurückdrängen unnötiger und pädagogisch fragwürdiger äußerer Differenzierung, für mehr jahrgangsübergreifenden Unterricht und den konsequenten Ausbau von Ganztagsschulen“, sagte Merz. Die Vorteile für die Bewältigung des demografischen Wandels, für größere individuelle Bildungschancen und mehr Bildungsgerechtigkeit und für die Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs auf allen Qualifizierungsbereichen lägen auf der Hand. Demgegenüber gebe es keine wissenschaftlich belegten Nachteile durch längeres gemeinsames Lernen oder jahrgangsübergreifende Schulklassen.

Problematisch sei auch das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben, denen nur halb so große nachrückende Jahrgänge gegenüberstünden. Vor diesem Hintergrund müssten Kitas und Schulen alles unternehmen, um Begabungen individuell zu fördern und Schülerinnen und Schülern auf diesem Weg zu einem gesellschaftlich notwendigen Qualifikationsniveau zu führen. „Die Schwierigkeiten der demografischen Entwicklung machen eines deutlich: Wir können es uns schlicht nicht leisten, Kinder in ihrer Bildungsentwicklung zurück zu lassen und unzureichend zu fördern. Längeres gemeinsames Lernen bei gleichzeitiger individueller Förderung und echte Chancengerechtigkeit sind der Schlüssel, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Notwendige Maßnahmen wie der Ausbau der Ganztagsbetreuung müssen dringend angepackt werden.“ Auch die sogenannte demografische Rendite durch sinkende Schülerzahlen bei gleichbleibenden Lehrerzahlen führe nicht automatisch zu einer Verbesserung der Situation. Zum einen falle sie in Hessen im Ländervergleich relativ gering aus, zum anderen reiche sie allein nicht zur Finanzierung der anstehenden Aufgaben aus.