Heike Habermann (SPD): G8-Gymnasiasten bei Schulabschlüssen nach der Mittelstufe weiter benachteiligt

Als Denkzettel für die Landesregierung bewertet die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Heike Habermann das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes Kassel zur Ungleichbehandlung von Schülern am Ende der Mittelstufe bei G8 und G9. „Die Richter haben schonungslos den Konstruktionsfehler der verkorksten G8-Reform aufgedeckt“, stellt die Bildungsexpertin fest. „Die Verkürzung der Mittelstufe führt dazu, dass junge Menschen, die nach der gymnasialen Mittelstufe die Schule verlassen, lediglich einen Hauptschulabschluss in der Tasche haben.“

Die Landesregierung habe mit ihrer G8-Konstruktion dafür gesorgt, dass diesen Schülern und Schülerinnen berufliche und schulische Entwicklungsperspektiven vorenthalten würden. Zwar hätten schon die Ex-Ministerinnen Wolff und Henzler versucht, die hessische Fehlkonstruktion zu korrigieren. Aber der Versuch, bei der Kultusministerkonferenz zu erreichen, dass in Hessen der Realschulabschluss nach 9 Jahren erteilt werden kann, sei vergebliche Liebesmüh und wenig aussichtsreich gewesen, weil andere Bundesländer eben nicht in der Mittelstufe kürzen und zehn Schuljahre zum Erwerb des Realschulabschlusses in allen Bundesländern notwendige Voraussetzung seien.

Das zurzeit genehmigte Modell der Kultusministerkonferenz sehe lediglich vor, dass Schüler, die sich verpflichten, vom Gymnasium abzugehen, an 30 Schulen zur vorzeitigen Realschulprüfung angemeldet werden dürfen. „Bildungspolitisch ist das ein Armutszeugnis, demotiviert Schüler und führt zu Frustration und Verbitterung“, so Habermann abschließend. "Nähme die Landesregierung diesen Denkzettel als Anlass zum Nachdenken, würde sie den G8-Murks endgültig abschaffen."