Dr. Thomas Spies: Ausbildungssituation in Hessen dramatisch verschlechtert – SPD setzt auf ihr Konzept zur Nachqualifizierung

Wegen der in Hessen dramatisch schlechten Entwicklung bei den Ausbildungsplätzen hat der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und sozialpolitische Sprecher Dr. Thomas Spies die Landesregierung scharf kritisiert. „Die verantwortlichen Minister Grüttner und Rentsch reden die ganze Zeit davon, dass sich das Problem von alleine lösen werde, weil die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden zurückgehe. Dabei geht viel mehr die Zahl der bereitgestellten Ausbildungsplätze zurück“, sagte Dr. Spies am Mittwoch in Wiesbaden.

Während im Bundesdurchschnitt und auch im Schnitt der westdeutschen Bundesländer die Zahl der Ausbildungsplätze einigermaßen stabil bleibe, sei in Hessen ein Rückgang um acht Prozent zu verzeichnen. „Da läuft etwas ganz gewaltig schief. Der Landesregierung muss man auf jeden Fall den Vorwurf machen, sich nicht um dieses Thema gekümmert und die Entwicklung verschlafen zu haben. Es ist Aufgabe der Wirtschaft, die Ausbildungsplätze bereitzustellen. Aber es ist Aufgabe der Landesregierung, für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen und gegebenenfalls auch die Verantwortlichen in der Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen. Das hat man offenkundig versäumt“, so der SPD-Politiker.

Für die SPD sei oberstes Prinzip, dass kein junger Mensch ohne Berufsausbildung bleiben dürfe. „Nach den heute vorliegenden Berichten wird sich in Hessen die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber um weitere 1.000 erhöhen. Das darf nicht sein. Wir müssen hier dringend ansetzen und haben deshalb ein Konzept vorgelegt, wie die bisher ohne Ausbildung gebliebenen jungen Menschen eine neue Chance erhalten können. Kein junger Mensch darf ohne Berufsausbildung bleiben. Die heutigen Zahlen zum Ausbildungsplatzmangel bestätigen das SPD Konzept einer Garantie für eine abgeschlossene berufliche Qualifikation für jede und jeden unter 35“, sagte Dr. Thomas Spies.

In Hessen lebten über 200.000 junge Menschen, die keinen berufsqualifizierenden Abschluss bekommen haben. Ohne Berufsabschluss sei ein Leben in prekären Beschäftigungsverhältnissen und Armut vorprogrammiert. Gerade das duale Ausbildungssystem sei ein wichtige Möglichkeit für mehr Chancengleichheit. „Hier werden oft auch die Defizite des Bildungssystems und sozial ungleicher Bildungschancen korrigiert. In der Praxis zeigen junge Menschen Kompetenzen Jenseits von Schulnoten", sagte der SPD-Abgeordnete.

Die hessische SPD habe deshalb im März das Projekt Ausbildungsgarantie vorgelegt. Innerhalb von 10 Jahren solle jede und jeder junge Mensch unter 35, der dies wolle, einen berufsqualifizierenden Abschluss erreichen. Dazu müsse jede erforderliche Unterstützung angeboten werden. „Jede und jeder muss eine Chance haben, sein oder ihr Leben selbst bestreiten zu können. Dazu ist ein Berufsabschluss unverzichtbar. Wir wollen, dass hier alle Akteure wieder ihrer Verantwortung gerecht werden“, so Dr. Spies.