Lisa Gnadl (SPD): Oberste Etagen der hessischen Ministerien sind frauenfreie Zonen – Regierung vernachlässigt Frauenförderung

In den hessischen Ministerien sind weibliche Führungskräfte weiterhin Mangelware. „In den klassischen Ressorts wie Innen, Finanzen oder Wirtschaft sind die Führungsebenen frauenfreie Zonen,“ kommentierte die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Lisa Gnadl die Antwort des Sozialministers auf ihre Kleine Anfrage zur Entwicklung des Frauenanteils an den Beschäftigten des Landes (Drucksache 18/5919).

„In den hessischen Ministerien sind von insgesamt 56 Abteilungsleitungen gerade einmal sieben von Frauen besetzt. Hier hat es in den letzten fünf Jahren keine Verbesserungen gegeben“, kritisierte Gnadl. Frauenförderung sei für die amtierende Landesregierung offenkundig kein Thema. „Wir registrieren, dass der Frauenanteil im höheren Dienst steigt, es gibt mehr Beamtinnen und auch mehr weibliche Angestellte in diesem Sektor. Doch wenn es um die Spitze geht, wird offenkundig weiterhin den Männern der Vorzug gegeben. In keinem Ministerium gibt es mehr als zwei Abteilungsleiterinnen, in der Staatskanzlei ist auf dieser Ebene eine Frau“, stellte Gnadl fest.

Gnadl zeigte sich über diese Entwicklung nicht verwundert. „Die Landesregierung geht selbst mit schlechtem Beispiel voran. In dieser Koalition geben die Männer den Ton an. Paradebeispiel ist die FDP-Fraktion, die bei 20 Abgeordneten gerade mal eine Frau in ihrer Mitte hat und sich das Paradoxon eines frauenpolitischen Sprechers leistet. So kann Frauenpolitik nicht voran kommen“, erklärte Gnadl.

Auch bei den Unternehmen, an denen das Land beteiligt sei, sei der Frauenanteil in den Führungsebenen nicht besser. „Das Land muss hier stärker Einfluss nehmen“, forderte Gnadl. Es könne nicht hingenommen werden, dass in diesen Unternehmen der Anteil der Frauen in Führungsfunktionen bei 5% bis gut 10% liege. „Diese Situation wird sich nicht von alleine ändern, wir brauchen klare Regelungen, wie wir kontinuierlich den Frauenanteil in Führungsfunktionen anheben werden. Mit bloßen Absichtserklärungen ist nichts zu erreichen, damit schreibt man den jetzigen unbefriedigenden Zustand fort“, so Gnadl.

Die Situation könne aber so nicht bleiben, darüber ist sich Gnadl sicher. Sie skizziert einen Weg, wie Hessen die Situation verbessern könne.
„Frauenförderung ist keine nebensächliche Good-Will-Aktion, Frauenförderung ist Aufgabe der Führung, in diesem Fall der politischen Führung. Es ist endlich an der Zeit, dass Frauen überall entsprechend repräsentiert sind, so auch in der hessischen Landesregierung und in der Verwaltung, aber auch in den Unternehmen mit Landesbeteiligung. Wir brauchen wieder ein hessisches Gleichberechtigungsgesetz mit Durchsetzungskraft, das sein Ziel, Chancengleichheit für Frauen und Männer zu verwirklichen, auch tatsächlich erreicht“, forderte Lisa Gnadl.