Brigitte Hofmeyer (SPD): Rechentricks führen zu Qualitätsverlust an Schulen

In den letzten Tagen ist bekannt geworden, dass die Anrechnungsfaktoren der Referendare für die Ausbildungsschulen ein weiteres Mal – von 6,4 auf 8 Stunden – erhöht werden sollen. Im Ergebnis bedeutet das für ausbildende Schulen, dass sie bei der Lehrerzuweisung für jeden Referendar wöchentlich weitere 1,6 Stunden abgezogen bekommen. Noch in 2008 betrug der Anrechnungsfaktor 4,8 Stunden und ist damit um Zweidrittel zum Nachteil der Schulen gestiegen. Denn damit reduziert sich einerseits die Unterrichtsversorgung und andererseits die Zeit, die für die Ausbildung der Lehrkräfte zur Verfügung steht, teilte die SPD-Landtagsabgeordnete Brigitte Hofmeyer als Mitglied im schulpolitischen Ausschuss am Montag in Wiesbaden mit.

„Referendare bedürfen der Betreuung von ausbildenden Schulen und dürfen nicht in immer größerem Maß als vollwertige Lehrer angerechnet werden“, kritisierte Hofmeyer. Auch bedeute der häufige Wechsel von Referendaren weniger Kontinuität für die Schulen, so dass es fatal sei, diesen Mehraufwand mit immer weniger Stunden zu „honorieren“.„Seit den Haushaltsberatungen im vergangenen Herbst wissen wir, dass die Landesregierung die Lehrerbildung zum Steinbruch im Kultusressort erklärt hat. Erst wurden Referendar- und Ausbilderstellen gestrichen und nun wird auf etwas versteckte Art erneut die Axt angelegt. Das ist politisch falsch und kurzsichtig, weil damit das Fundament für eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung weiter geschwächt wird“, beanstandete die SPD-Abgeordnete.

Bei 4.800 Referendaren entspreche dies einer faktischen Kürzung der Zuweisung an die Ausbildungsschulen um 7.680 Stunden. Dies bedeute, dass rund 300 Lehrerstellen eingespart werden. Umgerechnet in Mittel entspreche dies rund 17,5 Mio. Euro Kürzung im Jahr (300 Stellen zu 46.000 Euro zuzüglich 12.000 Euro Vorsorgeprämie), erläuterte Hofmeyer.

„Wir fordern die Landesregierung dringend auf, im Interesse der ausbildenden Schulen, der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst und letztendlich im Interesse der Kinder die Qualität der schulischen Bildung in Hessen nicht weiter zu gefährden und diese Pläne fallen zu lassen“, so die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende.