Gerhard Merz (SPD): Probleme bei gesundheitlicher Versorgung von Migranten

Im Anschluss der heutigen Sitzung der Enquetekommission „Migration und Integration“ im Hessischen Landtag hat der integrationspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Gerhard Merz dem deutschen Gesundheitssystem „grundsätzliche Mängel“ bescheinigt. Bei der medizinischen Behandlung von Migrantinnen und Migranten sei, genau wie bei deutschen Patienten, das größte Problem die grundsätzliche Entwicklung des Gesundheitssystems, so Merz.

„Die immer stärkere Ausrichtung auf administrative und wirtschaftliche Vorgaben machen eine individuell gestaltete therapeutische Beziehung zwischen Patient und Mediziner unmöglich“, so Merz. Kulturelle Vorbehalte der Patienten mit Migrationshintergund gegenüber der Schulmedizin sind hingegen laut Aussage des Sachverständigen Dr. Michael Knipper vom Institut für die Geschichte der Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen weitgehend irrelevant.

Was den Krankheitstypus betrifft, so stellten sowohl Dr. Knipper als auch Prof Dr. Klör vom Klinikum Gießen fest, dass es häufig zu psychosozialen Belastungen von Migrantinnen und Migranten komme, die durch die Umbruchsituation, in der sich die Menschen durch den Wechsel in ein völlig fremdes Land befänden, hervorgerufen würden.
Merz wies darauf hin, dass, um solchen Faktoren entgegenzuwirken, vor allem die Lebenssituation im Aufnahmeland von großer Bedeutung sei. „Soziale und kulturelle Akzeptanz und die Unterstützung durch soziale Netzwerke sind enorm wichtig, um diese krankheitsfördernden Faktoren zu minimieren“, so Merz.

Als problematisch wurde in der Enquetesitzung außerdem der Zugang zur Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus erachtet. Es stelle sich heraus, das Deutschland im europäischen Vergleich zu den Ländern mit den schlechtesten Zugangsmöglichkeiten für Papierlose gehört. „Initiativen wie der Krankenschein für Papierlose sind insofern dringend erforderlich. Kritik ist aber auch am Asylbewerberleistungsgesetz zu üben. Die geringen Leistungen erlauben kein menschenwürdiges Leben, hier besteht dringender Handlungsbedarf!“, so Merz.