Pflegenotstand verhindern – Altenpflegeausbildung in Hessen ausweiten

Anlässlich eines gemeinsamen Fachgesprächs mit Vertreterinnen und Vertretern der hessischen Altenpflegeschulen fordern die Landtagsfraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Landesregierung zu einem klarem Bekenntnis für mehr Ausbildungsplätze in der Altenpflege auf. Auch in Hessen stehe einer wachsenden Zahl chronisch kranker, multimorbider und pflegebedürftiger Menschen eine immer weiter abnehmende Zahl von pflegerischem Fachpersonal gegenüber.

„Um dem steigenden Bedarf an Pflegekräften gerecht zu werden, muss die Beschränkung auf maximal 3.500 durch das Land geförderte Ausbildungsplätze aufgehoben werden. Es ist angesichts der Datenlage fast als fahrlässig zu bezeichnen, wenn die in Hessen definierte Maximalzahl der landesfinanzierten Ausbildungsplätze an hessischen Altenpflegeschulen nicht erhöht wird“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Dr. Thomas Spies.

„Wie keine andere Branche ist die Pflege bereits jetzt massiv vom Personalmangel betroffen. Die Ergebnisse des Hessischen Pflegemonitors bestätigen deutlich einen personellen Erweiterungsbedarf in den Altenpflegeberufen: fast 3000 zusätzliche Altenpflegekräfte werden in 2020 gebraucht, um eine menschenwürdige und bedarfsgerechte Pflege sicherzustellen,“ führte die stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kordula Schulz-Asche, aus.

Es sei deshalb zwar begrüßenswert, wenn das Schulgeld für das dritte Jahr der rund 600 Umschülerinnen und Umschüler in Hessen übernommen werde, dies reiche aber bei weitem nicht aus. Die Anrechnung mindert die Plätze für Erstausbildung ab 2013.

„Ohne mehr Ausbildungsplätze werden wir den Fachkräftemangel nicht in den Griff bekommen“, erläuterte Dr. Jürgen Eierdanz, Vorsitzender der Schulleiterkonferenz der hessischen Altenpflegeschulen, stellvertretend für alle Ausbildungseinrichtungen in Hessen. Die Deckelung der Ausbildungsplätze habe sich ursprünglich nur auf die Auszubildenden zur Altenpflegefachkraft bezogen. „Mittlerweile werden die ca. 600 Auszubildenden in der Altenpflegehilfe mitgerechnet. Das führt dazu, dass wir weniger ausgebildete Fachkräfte bekommen“, stellte Eierdanz fest.

„Wir haben kein Wissens- sondern ein Handlungsdefizit. Der Personalmangel in der Pflege wird weit massiver ausfallen als der Ärztemangel“, erklärte Dr. Spies. Um die im Hessischen Pflegemonitor prognostizierten Lücken zu schließen, müsse dringend gehandelt werden. „Ohne pflegerische Unterstützung sehen wir alle ziemlich alt aus. Insoweit reicht es nicht, schöne Presseerklärungen zu veröffentlichen, sondern Handeln ist gefordert. Zum nächsten Jahr die Ausbildungszahlen zu erhöhen, ist die letzte Gelegenheit den für 2015 prognostizierten Fachkraftnotstand abzumildern, denn die 2011 beginnenden Auszubildenden werden erst ab Mitte/Ende 2014 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen,“ so Kordula Schulz-Asche abschließend.