Kinder und Jugendliche müssen kompetent mit neuen Medien umgehen

Der medienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Michael Siebel, fordert eine „vernetzte und qualifizierte Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen in Hessen“. Nicht nur das Internet, auch populäre Social-Media-Anwendungen wie schülerVZ oder Facebook würden heute maßgeblich zur Meinungs- und Willensbildung junger Menschen beitragen. „Deshalb ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche lernen, kompetent mit neuen Medien umzugehen“, sagte Siebel bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Gesetzentwurfs zur Förderung der Medienkompetenz in Hessen am Dienstag in Wiesbaden. Der Gesetzentwurf zur Förderung der Medienkompetenz sieht Änderungen im Hessischen Privatrundfunkgesetz, im Gesetz über den Hessischen Rundfunk als auch im Hessischen Lehrerbildungsgesetz vor.

Die aktuelle und repräsentative JIM-Studie 2010 ("Jugend, Information, Multi-Media") des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, die vergangenen Freitag in Mannheim vorgelegt wurde, zeige, dass Jugendliche das Internet „vor allem zur Kommunikation nutzen“, so Siebel. 46 Prozent der Befragten würden während ihrer Onlinezeit chatten, skypen und mailen. 91 von 100 Nutzern seien täglich oder mehrmals wöchentlich online. Müssten Informationen für Schule oder Hausaufgaben überprüft werden, wähle der größte Teil der Jugendlichen Internetseiten von Zeitungen und Zeitschriften. Wikipedia oder Google seien zu Trägern von Freizeitaktivitäten als auch Trägern von Bildungsprozessen geworden.

„Unser Gesetz zur Förderung der Medienkompetenz sieht deshalb eine Bündelung der medienpädagogischen Aktivitäten der Hessischen Landesregierung vor“, betonte der medienpolitische Sprecher. Diese Aufgaben sollten auf die Landesanstalt für Privaten Rundfunk (LPR) übertragen werden. Dazu wolle die SPD den Anteil der 2%-Mittel aus den Rundfunkgebühren, der bei der LPR verbleibt, künftig ausschließlich zum Zweck der Förderung der Medienkompetenz etwa in Form von medienpädagogischen Projekten an Schulen einsetzen. Bisher werden daraus auch andere Maßnahmen, etwa zur Förderung der technischen Infrastruktur, finanziert. Zudem solle der Hessische Rundfunkrat künftig ein zusätzlicher Ausschuss zur Förderung der Medienkompetenz im privaten Rundfunk ein. Der Rundfunkrat soll darüber hinaus um einen Sitz erweitert werden. „Wir fordern, dass auch der Landesschülersprecher in diesem wichtigen Gremium einen Platz hat“, sagte Siebel.

Aufgenommen werden soll die Förderung der Medienkompetenz künftig auch in das Gesetz über den Hessischen Rundfunk. Die Berichterstattung müsse so angelegt sein, dass die Zuschauer ohne Beeinflussung verantwortungsvoll mit den Informationen umgehen könnten“, so Siebel.

Mit der nächsten Novelle müsse der Rundfunkänderungsstaatsvertrag im Hinblick auf die Aufgaben der länderübergreifenden Kontrollfunktion von Jugendschutz.net überprüft werden. „Da Verhandlungen über Rundfunkstaatsverträge von der Rundfunkkommission vorbereitet werden, ist diese Veränderung als Empfehlung an die Landesregierung gerichtet“, sagte der SPD-Politiker.

Im Rahmen der Förderung der Medienkompetenz ist auch eine Änderung des Hessischen Lehrerbildungsgesetzes geplant. Hiermit werde der Bedeutung der Medienkompetenz in der Lehrerbildung Rechnung getragen. „Nur wenn Lehrkräfte entsprechende Kenntnisse haben, kann die Vermittlung von Medienkompetenz in den Schulen gelingen“, stellte der Medienexperte fest. Mit ihrem Gesetzentwurf für ein Gesetz für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit (Hessisches Schulgesetz) hat die SPD-Fraktion dem Hessischen Landtag bereits Neuregelungen zur Stärkung der Medienkompetenz im Schulbereich vorgelegt. „Der mündige Umgang mit modernen Medien muss in der schulischen Bildung und Erziehung fest verankert werden“, forderte Siebel.

„Ein breites öffentliches Interesse an Fragen der Medienkompetenz entsteht immer dann, wenn es zu außergewöhnlichen Ereignissen kommt. Dazu gehören Gewaltverbrechen, die im Zusammenhang mit Nutzung neuer Medien stehen oder der unreflektierte Umgang mit personenbezogenen Daten, der das Recht auf informationelle Selbstbestimmung berührt“, sagt der medienpolitische Sprecher. Deshalb habe sich die SPD-Fraktion auf den Weg gemacht, das Thema Medienkompetenz in einem eigenen Gesetz im Hessischen Landtag in den Fokus zu rücken.