Stigmatisierung von Menschen mit Migrationshintergrund ist kontraproduktiv

„Dass die Äußerungen Sarrazins nicht sonderlich hilfreich für die aktuelle Integrationsdebatte waren, wurde in der heutigen Sitzung der Enquetekommission Integration mehr als deutlich“, sagte Gerhard Merz, integrationspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag.

Durch die Stellungnahmen der geladenen Sachverständigen, darunter Prof. Dr. Christian Pfeiffer, ehemaliger niedersächsischer Justizminister und Direktor des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, sei klar geworden, dass Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen mit Migrationshintergrund tatsächlich deren Kriminalität fördern könnten. „Eine Willkommenskultur ist und bleibt insofern das Wichtigste“, so Merz.

Auch die These, dass die in Deutschland lebenden Muslime immer dümmer würden, sei eindeutig durch Prof. Pfeiffer widerlegt worden. „Es handelt sich bei Muslimen nicht um eine homogene Gruppe, so dass eine pauschale Bewertung schlicht und einfach unsauber ist. So haben zum Beispiel Iraner die höchste Gymnasialquote unter allen Jugendlichen und auch die sind bekanntlich ja zum Großteil Muslime.“

Interessant sei auch die Erklärung für die höhere Deliktsbelastung von Menschen mit Migrationshintergrund gewesen. „Die höhere Deliktsbelastung gleicht sich völlig aus, wenn man Menschen mit ähnlichem familiärem, sozialem und wirtschaftlichem Hintergrund vergleicht. Kein Wunder, dass Herr Sarrazin zu ungünstigen Ergebnissen für die in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund gekommen ist. Das ist die Folge, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht“, so Merz abschließend.

Die Enquetekommission Migration und Integration in Hessen existiert bereits seit Januar dieses Jahres. In monatlichem Rhythmus beschäftigen sich hier Abgeordnete mit unterschiedlichen Fragestellungen zum Thema Integration.