Dr. Judith Pauly-Bender (SPD) zu Frauen und Erwerbsarbeit: Gegensteuerung ist das Gebot der volkswirtschaftlichen Vernunft!

Die Regierung Koch habe die Rollenteilung des tüchtigen Vollzeithans und des fleißigen Teilzeitlieschens gerne verteidigt. In über neun Jahren Untätigkeit und gegen alle europäischen Vorgaben hätten Koch und Lautenschläger das Thema bewusst umgangen. Auch die Appelle der Arbeitsagentur Hessen im Sommer 2008 hätten die geschäftsführende Landesregierung kalt gelassen. Unter Verweis auf die europäische Lissabon-Strategie habe diese auch die Hessische Landesregierung zu Aktivitäten zur Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit und dabei insbesondere zur Erhöhung des Arbeitsvolumens aufgefordert, erinnerte Pauly-Bender.

Die SPD werde das Thema für Hessen auch in Zukunft wach halten. Schon aus volkswirtschaftlicher Vernunft sei die Förderung der weiblichen Erwerbsarbeit geboten. „Andere europäische Hochleitungsregionen schöpfen aus den weiblichen Ressourcen; es kann deshalb nicht sein, dass ausgerechnet Hessen in diesem Punkte weiter schläft“, so die Frauenpolitikerin.

Die SPD fordere, die „Teilzeitfalle für Frauen“ in Hessen zu einem Thema zu machen. Vom Anstieg der hessischen Frauenerwerbstätigkeit um 2,4 Prozentpunkte dürfe man sich nicht täuschen lassen, hielten die Frauen doch überproportional Minijobs und die Kleinarbeitszeitverträge inne. So meldete die hessische Arbeitsagentur zuletzt, dass über ein Drittel aller hessischen Frauen in Teilzeit tätig und ungefähr 20 Prozent aller Frauen ausschließlich geringfügig beschäftigt seien. Demgegenüber stünde ein sinkender Anteil der Frauen bei den Vollzeitbeschäftigten.

Pauly-Bender wies auf die sozialen Folgen für die betroffenen Frauen hin: Die weibliche Teilzeitarbeit sei in der Regel noch niedriger bezahlt als Vollzeit und führe in der Folge sowohl zu Versorgungslücken im Alter als auch zu schlechteren Leitungsbezügen bei Arbeitslosigkeit. Beim Arbeitslosengeld I erhielten Männer im Durchschnitt 946 Euro im Monat,  Frauen lediglich 648 Euro (Differenz 298 Euro).

Pauly-Bender zufolge seien in Hessen entschiedene Maßnahmen zur Erhöhung der weiblichen Erwerbsarbeit unumgänglich, um die von Europa festgeschriebene Zielmarge zu erreichen: „Freilich geht das nur mit einer Landesregierung, die diesen Punkt des gesellschaftlichen Fortschrittes will und nicht die Augen vor den Zukunftsherausforderungen verschließt. In Hessen brauchen wir frauenpolitische Konsequenzen aus den Erhebungen des demographischen Wandels. Fachkräftebedarf und steigende Anforderungen an Schlüsselqualifikationen, wie die bei Frauen besonders vorhandenen Teamfähigkeit und Kommunikation, können für Arbeitgeber Signale sein, das Arbeitskräftepotenzial der gut ausgebildeten jungen Frauen an ihren Betrieb auch langfristig zu binden. Dafür hat die Landesregierung der nächsten Legislaturperiode zu werben. Dafür wollen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sorgen.“