Christel Hoffmann und Dr. Matthias Görlach (beide SPD): Hessen verliert wertvolle Zeit bei der Blauzungenkrankheit

Stattdessen zaudere die Hessische Landesregierung und traue sich offenbar nicht, klare Richtlinien zu erlassen, um wenigstens die schlimmsten Folgen abzuwenden. Man warte wohl auf die entsprechende EU-Verordnung in Verkennung der Tatsache, dass es hier um Wochen und Tage gehe. Nur wenn Rechtssicherheit durch Impfpflicht für das Land geschaffen worden sei, könne man von der Pharmaindustrie auch die entsprechenden Anstrengungen zur Einführung des Impfstoffes verlangen.

Sollte zur Saison 2008 kein Impfstoff genehmigt werden und zur Verfügung stehen, so rechneten Hoffmann und Dr. Görlach mit einer Katastrophe. Alleine in Hessen seien im Jahr 2007 5.000 Schafe, 700 Rinder und 25 Ziegen nachweißlich an der Seuche verendet. In 2008 sei mit einer exponentiellen Steigerung der Verluste zu rechnen, da mittlerweile in vielen Herden positive Tiere stünden. Betroffene Milchviehherden hätten aber auch ohne Todesfälle bis zu 50 Prozent Verluste in der Milchleistung, so Hoffmann. Das Blue-Tongue-Virus werde durch Stechmücken, die <link http://de.wikipedia.org/wiki/Gnitzen – – "Gnitzen">Gnitzen</link> (siehe auch im Internet – bitte nur den Begriff anklicken), übertragen. Die Gnitze nehme das Virus im Blut eines infizierten Tieres auf und übertrage es beim nächsten Saugen auf ein anderes Tier. Eine Übertragbarkeit auf den Menschen sei nicht bekannt.

Die Blauzungenkrankheit führe bei Rindern, Ziegen und am schlimmsten bei Schafen zu Fieber, zu verstärkter Speichelsekretion sowie zu Schwellungen und Geschwüren im Maul. Die Sterblichkeit der erkrankten Tiere liege je nach Tierart zwischen zwei und 80 Prozent (Schafe). <a name="Vorbeugung_und_Therapie_bei_Haustieren"></a>„Mit einer konsequenten Insektenbekämpfung und einer Stallhaltung gefährdeter Tierbestände während der Nacht könnte man zwar Zeit gewinnen“, so Dr. Matthias Görlach, „ohne eine wirksame Schutzimpfung drohe aber der hessischen Schafzucht in ein bis zwei Jahren das Aus und der Milchviehhaltung in Hessen schwerste finanzielle Einbußen.“
Eine Impfung sei in Deutschland zurzeit noch verboten. „Diese Viruserkrankung ist auch im Jahr 2006 erstmal in Deutschland aufgetreten“, so Christel Hoffmann. Der rasante Verlauf habe auch die Experten überrascht, umso mehr sei aber rasches Handeln nun das Gebot der Stunde. „Land und Bund müssen sich beeilen, um die landwirtschaftlichen Betriebe vor existenziellen finanziellen Einbussen zu schützen“, forderten Hoffmann und Görlach. „Dies gehe ohnehin nur noch, wenn man das übliche Prozedere bei der Zulassung eines Impfstoffes auf das Notwendigste beschränkt.“

Die Blauzungenkrankheit sei zwar eine meldepflichtige Tierseuche, aber nach heutigem Stand nicht für den Menschen gefährlich. Wenn man den Milliarden-Aufwand für die BSE-Bekämpfung mit  lediglich 407 positiven Tieren in ganz Deutschland in über einem Jahrzehnt dagegen sehe, sei nicht nachvollziehbar, wie nonchalant angesichts der Zahlen bei der Blauzungenseuche mit einer Bedrohung umgegangen werde, die wesentliche Teile der deutschen und speziell der hessischen Landwirtschaft ruinieren könnte, so die beiden Experten.