Heike Habermann (SPD): G 8 macht Kinder krank

Es ist ein Brief, der von den Mitgliedern des Landeselternbeirats nach Diskussion verabschiedet wurde. Und deshalb ist die gestrige Presseerklärung von Herrn Irmer mit dem Titel ‚Frau Geis lässt sich vor den Karren der SPD spannen’ eine Unverschämtheit. Ich fordere Sie auf, sich von diesen Äußerungen zu distanzieren. Sie diffamieren damit nicht nur die Vorsitzende sondern den gesamten Landeselternbeirat.

Der Schilderung des Landeselterbeirats kann ich viele von betroffenen Eltern hinzufügen. Von abwechselnder Hausaufgabenbetreuung durch Eltern einer Klasse, von Stresssymptomen der Kinder und von der Zerstörung sozialer Kontakte mit Gleichaltrigen ist dort die Rede. Kinder werden aus Musik- und Sportvereinen abgemeldet, damit die Zeit für die Hausaufgaben reicht.
Auch der Landessportbund weist in einem Positionspapier auf die Problematik hin, dass Kinder wegen G8 nicht mehr zum  Sporttraining kommen und fordert, die Verkürzung der Gymnasialzeit in der Mittelstufe zurückzunehmen.

Auf den Internetseiten des Kultusministeriums zur Information der Eltern über G8 liest es sich noch ganz anders: „Wenn der unterrichtsfreie Samstag beibehalten wird, führt dies zwar zu einer Ausweitung des Unterrichts über die 6. Stunde hinaus, die Mehrbelastung am Nachmittag wird sich jedoch in Grenzen halten.“ So hat auch die Kultusministerin bis zum September die Kritik aus der Eltern und Lehrkräfte und aus den Reihen der Opposition abgewiegelt.

Anrede, Sie können nur hoffen, dass die Eltern Ihre Internetseite nicht aufrufen, ansonsten werden Sie Mühe haben, Ihre späte Einsicht zur Belastung der Kinder in der gymnasialen Mittelstufe noch glaubwürdig zu verkaufen.

Denn nur der nahende Wahltermin hat sie davon überzeugt, dass man das Problem G8 nicht wie so viele andere aussitzen kann.

Sie haben die Bedenken von Eltern, von Lehrerverbänden und von Schülern von Anfang an mit gewohnter Arroganz ignoriert.  Schon bei der Verabschiedung Ihres Gesetzes zum Abbau der Qualität in Hessischen Schulen haben diese Ihnen mit 75.000 Unterschriften bescheinigt, was sie von der Einführung von G8 halten: nämlich gar nichts. Und die Argumente damals waren die gleichen wie heute. Sie haben wie üblich Bildungspolitik gemacht, ohne die Betroffenen und ihre Kritik ernst zu nehmen. Jetzt geben ihnen die Hessischen Eltern die Quittung dafür.

Ein Hauptargument für die Einführung der verkürzten Gymnasialzeit ist, die Chancen der hessischen Jugendlichen im (inter)nationalen Vergleich müssten durch Verkürzung der Ausbildungszeiten verbessert werden.

Wenn Sie dieses Argument selbst ernst nehmen, müssen Sie sich fragen lassen, warum Sie nicht durch die flexible Schuleingangsstufe  schon am Anfang Kindern die Chance geben, schulische Ausbildung zu verkürzen.

Lernzeit kann ebenso wie der Unterricht individuell und flexibel gestaltet werden. Das gilt für den Schuleingang und es gilt auch für die Ausgangsphase in der Oberstufe.

Auch eine weit reichende Flexibilisierung der gymnasialen Oberstufe führt zur Schulzeitverkürzung, ohne sie für alle verbindlich zu machen.

Das System muss sich den individuellen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen anpassen – nicht umgekehrt. Schnell lernende Kinder sollen auch schneller voranschreiten, langsam lernende Kinder sollen sich mehr Zeit lassen können. Nur so wird es möglich sein, allen Kindern eine optimale Entwicklung zu ermöglichen.

Anrede, wie groß die Argumentationsnot bei der CDU-Fraktion ist, zeigt Punkt 5 Ihres dringlichen Antrags betreffend G8 verbessern, Er ist intellektuell so schlicht und lächerlich, dass ich ihn gerne vorlesen möchte, damit alle etwas davon haben.

Gleichzeitig lesen wir die Botschaft an die Kultusministerin des Landesvorsitzenden des Hessischen Philologenverbandes Knud Dittmann vom Vertretertag in Fulda: (Rundschau, 09.11.07): „G8 ist Hokuspokus, seine Einführung eine krasse Fehlentscheidung.“ Er fordert die Abschaffung  der verkürzten Schulzeit bis zum Abitur und stellt fest: Das Turbo-Abitur führe zu einem Qualitätsverlust und einer immensen Belastung der Gymnasiasten.

Der Realitätsverlust muss groß sein, wenn Sie unsere Kritik an G8 als einen Angriff aufs Gymnasium sehen, wenn die Lehrer an den Gymnasien gleichzeitig diese Kritik zu hundert Prozent teilen und zum gleichen Ergebnis kommen wie die SPD. G8 ist belastet die Kinder und war von Anfang an falsch konzipiert. Um weiteren Schaden für die Familien zu vermeiden, muss das hessische G8 zurückgenommen werden.