Andrea Ypsilanti (SPD): Schöpfungsgeschichte und Naturwissenschaft nicht auf eine Stufe stellen

Von einer hessischen Kultusministerin im Jahr 2007 kann und muss erwartet werden, dass sie nicht hinter die Aufklärung zurückfällt, nicht hinter den Kirchenkampf Ende des 19. Jahrhunderts und nicht gegen zeitgemäße, theologisch fundierte Bibelexegese.

Ministerin Wolff vermeidet notwendige Abgrenzungen, sondern geht einen großen Schritt auf die so genannten Kreationisten zu, indem sie die Behandlung der biblischen Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht fordert. Die These von einer „erstaunlichen Übereinstimmung“ der biblischen Schöpfungsgeschichte mit der Evolutionslehre ist nicht nur fragwürdig, sondern haltlos.

Der selbstverständliche Grundsatz, an unseren Schulen über unsere geistigen und religiösen Wurzeln zu reflektieren, rechtfertigt die von Frau Wolff vorgenommene Gleichsetzung von Bibel und Naturwissenschaft nicht. Das Argument eines fächerübergreifenden Lernens ist doch offenkundig nachgeschoben, um den kritikwürdigen Vorstellungen von Frau Wolff einen dünnen rationalen Anstrich zu geben.

Die biblische Schöpfungsgeschichte ist für viele geeignet, uns Menschen den Respekt vor der Schöpfung und vor der Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu lehren. Aber sie ist ungeeignet, auf eine Augenhöhe mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und mit naturwissenschaftlicher Methodik gestellt zu werden.“