Dr. Thomas Spies (SPD): Zwei Mal Salmonellen – das ist Stümperei

Aber dann muss auch die Rede sein von Verantwortung, und davon ist hier die Rede.
Von einer Krankenhausleitung, die 6 Tage und über hundert Erkrankte braucht, um eine Lebensmittelvergiftung zu bemerken und das Gesundheitsamt zu informieren. Aufsichtsratsvorsitzender: der Oberbürgermeister CDU. Von einem Gesundheitsamt, das weitere 4 Tage Vertuschung und Verheimlichung duldet und damit mit Verantwortung trägt für eine Patientin, die auf der Höhe der Epidemie ungewarnt das Klinikum aufsuchte und später verstarb. Dezernent: CDU-Landrat:

Einer Krankenhausleitung und einem Gesundheitsamt, die nach zehn Tagen behaupten, eine Massenlebensmittelvergiftung könne keinesfalls über das Essen übertragen worden sein. Eine Geschichte aus dem Tollhaus, möchte man meinen. Einer Krankenhaushausleitung und einem Gesundheitsamt, die weitere drei Wochen brauchen um festzustellen, dass eine Lebensmittelinfektion doch über Lebensmittel übertragen wurde, aber bis heute nicht wissen, durch welche, weil man nicht unmittelbar beim Auftreten der ersten Fälle Proben gesichert hat.

Von einer Krankheit, die jeder, der es kann, in drei Tagen erfolgreich beseitigen kann – nur nicht in Fulda. Aber da gibt es ja auch keinen Experten. Von einer Landesregierung, die Wochen ins Land gehen lässt, bis sie endlich dem Druck der Schlagzeilen nachgibt und auch mal schaut, was die Parteifreunde in Fulda denn so machen. Von einer Landesregierung, die keine Krankenhaushygieneverordnung erlassen hat, trotz gesetzlicher Pflicht. Von einer Landesregierung , die einen hauptamtlichen Krankenhaushygieniker für Fulda auch im Nachhinein nicht für nötig hält.

Wir reden hier von einem ganz außergewöhnlichen Fall, der vielleicht gerade deshalb so außergewöhnlich ist, weil Management und Verantwortungsträger andernorts in der Lage sind, ein solches Problem zu lösen – nur nicht im Fuldaer Sumpf. Und von der öffentlichen Hetzjagd gegen die Beschäftigten in Fulda, die sicher nicht für das eklatante Missmanagement, die sicher nicht für die versagende örtliche Gesundheitsaufsicht und die sicher nicht für Tatenlosigkeit und Desinteresse der Landesregierung verantwortlich sind.

Salmonellen sind Schicksal, Fulda ist unerträgliche und ungeklärte Stümperei. Die Geschichte vom Fuldaer Filz ist noch nicht zu Ende.“