Karin Hartmann (SPD): Nur das staatliche Wettmonopol sichert die Finanzierung des Breitensports

2005 konnten bundesweit 3,3 Milliarden Euro aus dem staatlichen Sportwettenmonopol sozialen und Gemeinwohlaufgaben zugeführt werden. Wolle man diese Mittel in einem liberalisierten Markt über Steuern erwirtschaften, müsste der Spieleinsatz mindestens um das Zwanzigfache gesteigert werden, was einer Steigerung des wöchentlichen Pro-Kopf-Umsatzes von derzeit zwei Euro auf 40 Euro entspräche. „Das staatliche Wettmonopol ist zur Sicherung des Breitensports unerlässlich, denn nur so ist eine aktive Vereinsförderung möglich“ so die sportpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Während Trikotwerbeaktionen von privaten Anbietern meist einmalige Aktionen seien, sichere das staatliche Wettmonopol die Finanzierung von Übungsleitern, Fortbildungen und Investitionszuschüssen insbesondere von Breitensportvereinen, die kaum Chancen hätten, einen Sponsor zu finden. Allein 148 Mio. Euro wende das Land Hessen aus Lotto-Toto-Mitteln als Zweckertrag für Sport, Kultur, Soziales und Denkmalpflege auf. Mit dieser relativ hohen Summe würden viele Maßnahmen bezuschusst, die keine oder nur eine geringe öffentliche Wahrnehmung hervorriefen. Außerdem würden diese Mittel derzeit auch an Vereine und Organisationen verteilt, die nicht im Rampenlicht oder auf dem Siegertreppchen stünden.

Anders bei den privaten Anbietern, die mit wenig Geld, das in Sponsoring fließe, eine hohe Werbewirkung erreichten. „Private Anbieter betreiben keine Sportförderung, sondern ein gewinnorientiertes Sponsoring, das im Gegenzug immer auch Marketingmaßnahmen erwartet“, so Hartmann. Schon jetzt erfülle es die sportpolitische Sprecherin mit Sorge, dass sich innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren der Sportwettenmarkt von 600 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro verdreifacht habe, wogegen der Oddset-Anteil im gleichen Zeitraum auf rund 25 Prozent gesunken sei. „Das heißt, dass Millionen an Lottoeinnahmen verloren gehen, Geld, das zum einen den öffentlichen Haushalten, aber auch Sportvereinen und gemeinnützigen Organisationen fehlt“ warnte Hartmann.

Wer argumentiere, dass durch eine Marktöffnung sportliche Ambitionen von privaten Sponsoren gefördert werden könnten, riskiere, dass Sportförderung langfristig auf wackeligen Beinen stehe. Die Abgeordnete plädierte stattdessen für eine Regelung, die sicherstelle, dass nicht nur die Unterstützung einiger großer Fußballvereine gewährleistet sei, sondern auch zukünftig Vereine und Aktionen unterstützt würden, die sich nicht öffentlich vermarkten ließen. Die SPD-Politikerin verwies darauf, dass eine Abgabenbelastung der Privaten in der Höhe der staatlichen Anbieter, im Hinblick auf EU-Recht, nicht realisierbar sei. Um aber den gleichen Geldbetrag hereinzuholen, den das Land für Sportförderung und ähnliches ausgebe, sei eine massive Ausweitung der Glücksspielaktivitäten erforderlich. „Dies ist unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten nicht wünschenswert, denn bei einer Marktöffnung ist eine Beschränkung der Glücksspielsucht und der damit verbundene gesellschaftliche Schaden schier unmöglich“, sagte Hartmann.

Auch dürfe man sich nicht der Illusion hingeben, dass in einem freien Wettbewerb staatliche Anbieter auch nur annähernd so konkurrenzfähig wären wie Private. Die Einführung eines begrenzten Konzessionsmodells, welches die Zulassung einiger weniger privater Anbieter ermöglichen würde, sehe Hartmann unter europarechtlichen Gesichtspunkten als ebenso wenig tragbar an, weil dies sehr schnell auf eine Totalliberalisierung des Glücksspielmarktes hinauslaufe. „Ich will eine Regelung, die sicherstellt, dass auch künftig Breitensportförderung gewährleistet ist und Jugendarbeit, Wohlfahrtspflege und Denkmalschutz eine verlässliche Förderung garantiert wird“ sagte die SPD-Landtagsabgeordnete abschließend.