Hannelore Eckhardt (SPD): Frühe, aufsuchende Familienhilfe muss dringend in Hessen etabliert werden

Wir erkennen durchaus an, Frau Ministerin, dass Sie über den Weg der verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen mehr Kinder erreichen wollen, allerdings reicht dies allein nicht aus, um alle betroffenen Kinder wirksam zu schützen. Kinder- und Jugendärzte gehen längst auf Distanz, warnen vor einer trügerischen Sicherheit und wehren sich dagegen, die gesamte Verantwortung übernehmen zu müssen. Statt die Last allein diesen Fachärzten aufzubürden, brauchen wir vielmehr ein ganzes Maßnahmenbündel, nachhaltig wirkende Präventionsprogramme, niedrig schwellige Hilfen und eine bessere Vernetzung aller beteiligten Akteure.

Erziehungs- und Beratungsstellen, die auch wirklich zur Verfügung stehen, und zwar zeitnah und nicht mit Wartezeiten von bis zu 6 Monaten. Betreuungsplätze, die besonders für unter 3-jährige Kinder in ausreichendem Umfang vorhanden sein müssen. Viel mehr zugehende Familienhilfe, um Risikofamilien, die überwiegend sehr isoliert, ohne nachbarschaftliche Kontakte leben und in alltäglicher Tristesse, Armut, Alkoholabhängigkeit und Arbeitslosigkeit schlicht nicht in der Lage sind, ihre Kinder wenigstens minimal, geschweige denn gut und liebevoll, zu versorgen.

Hebammen könnten die sehr nahe und vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern länger als bisher aufrechterhalten, um die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Familienhelfer sollten in jeder Kommune die Neugeborenen, und zwar alle, begrüßen, und den jungen Eltern die Möglichkeiten vor Ort vorstellen, Einrichtungen der Beratung, der Hilfen und Unterstützung – und vor allem Kontaktmöglichkeiten mit anderen jungen Eltern fördern.
Bei der Polizei brauchen wir spezielle Fachabteilungen, wie z.B. das Kommissariat für Schutzbefohlene in Berlin. Hier wird einerseits spezielles Know-how konzentriert, andererseits wird es durch Weiterbildung in die Breite getragen. Das Fachkommissariat ist sowohl für Weiterbildung und Präventionsarbeit als auch für konkrete polizeiliche Maßnahmen zuständig.

Die SPD-Fraktion wird dem vorliegenden Antrag der Grünen zustimmen, weil er in allen Punkten den richtigen Weg aufzeigt. Wir fordern darüber hinaus die Landesregierung auf, das Instrument der frühen, zugehenden Familienhilfe, so wie es in vielen europäischen Ländern und zunehmend in anderen Bundesländern praktiziert wird, auch in Hessen schnellstens zu etablieren, um so früh wie irgend möglich zu intervenieren und besonders gefährdeten Säuglingen und Kleinkindern ein so schreckliches Schicksal zu ersparen wie dem kleinen Mädchen aus Waldeck-Frankenberg. Auch für dieses Kind ist es zu spät.“