Reinhard Kahl (SPD): Imagekampagne ist Wahlkampf

Die Hessen-Agentur hat sich eine neue Imagekampagne für das Land – oder sollte man besser sagen für seine Landesregierung – einfallen lassen. Noch etwas später im Jahr wäre das ein klarer Fall für den Landesrechungshof. Nicht einmal ein Jahr vor der Wahl ohne Not und ohne erkennbaren Nutzen für das Land eine solche Kampagne aus dem Boden zu stampfen, das kann man nur als kaum verhohlenen Wahlkampf werten. Die Kampagne soll allein 2007 2,1 Mio. Euro kosten. CDU-Generalsekretär Boddenberg kündigt an, dass der CDU-Landtagswahlkampf 2 Mio. Euro kosten soll. Mit anderen Worten kann man fast sagen, die CDU hat ihren Wahlkampfetat aus Steuermitteln glatt verdoppelt.

Die CDU streicht gerade die Dividende dafür ein, Herrn Herkströter aus der Eschborn-Connection von Ministerpräsident Koch zum Geschäftsführer der Hessen-Agentur gemacht zu haben. Er hat sich ja schon in der Vergangenheit als gefügiger Helfer erwiesen, zum Beispiel als Herr Metz seinerzeit meinte, die Begleiter des Ministerpräsidenten bei der Indienreise handverlesen aussuchen zu können. Und die Hessen-Agentur hat ja auch den Schulleiterkongress – ebenfalls eine Wahlkampfveranstaltung – für die CDU-Landesregierung mit organisiert.

Die Hessen-Agentur hat uns schon mit einer Reihe flüchtiger Ideen beglückt. So hat sie das Parfum „Hessen inspiriert“ auf den Markt geworfen. Und jetzt muss man sich fragen, haben die Macher der neuen Kampagne zu wenig am Parfumfläschchen gerochen oder doch zu lange? Von Inspiration ist jedenfalls nichts zu bemerken. Die neue Werbelinie der CDU-Landesregierung ist nämlich auch handwerklich misslungen. Nichts sagende Bilder, nichts sagende Werbesprüche. Das lockt keinen Investor hinter dem Ofen hervor. Wobei natürlich schon ein gewisser Witz darin liegt, dass die CDU-Regierung auch werbetechnisch den Anspruch aufgegeben hat, die Zukunft gestalten zu wollen.

Das Ziel der Landesregierung ist, die Stimmung zu drehen, indem man glatt das Gegenteil von dem behauptet, was die Menschen spüren und wahrnehmen. Diese Werbetechnik ist von der CDU aber längst verbraucht durch Etikettenschwindeleien wie Unterrichtsgarantie Plus, Familienland Hessen, Neue Sicherheitsarchitektur oder ähnliche Werbeschlagworte.

„Wir fördern Talente für steile Karrieren“ wirbt die Landesregierung. Das Gegenteil ist wahr: Bildungsabbau – vom Kindergarten bis zur Universität – behindert Karrieren.

„Wir schaffen aussichtsreiche Arbeitsplätze“ – das Plakat sollten Sie lieber der rheinlandpfälzischen SPD-Regierung zum Nachdruck anbieten, da stimmt es.

„Wir bauen schon immer Wolkenkratzer“ – nein, Sie bauen höchsten Wolkenkuckucksheime.

„Wir gewinnen durch unsere Standortvorteile“ – nein, Hessen liegt beim Dynamik-Ranking der Länder auf einem Abstiegsplatz. Sie machen nichts aus der von Ihren Vorgängern ererbten Stärke des Landes, sondern setzen sie aufs Spiel.

Hessen verliert unter Roland Koch – darüber könnten flotte Sprüche und flotte Bilder nicht hinwegtäuschen. Langweilige Sprüche und langweilige Motive können das noch viel weniger. Und Langeweile ist leider das Markenzeichen Ihrer neuen Werbekampagne.

Die einzige Assoziation die der Werbespruch „An Hessen führt kein Weg vorbei“ wirklich zulässt, ist der: „Roland Koch steht allem im Weg.“ Roland Koch steht im Weg bei einer zukunftsfähigen Bildungspolitik, einer modernen Familienpolitik, einer strategisch ausgerichteten Wirtschaftspolitik und einer soliden Finanzpolitik.

Wirtschaftsminister Rhiel preist die Kampagne als prägnant, überraschend, dynamisch und ein wenig hintersinnig. Stimmt schon, sie ist prägnant missraten. Sie ist überraschend flach. Sie ist so dynamisch wie der Wirtschaftsminister in Person.

Ihr Hintersinn kommt allerdings ganz offen daher: Sie ist reine Wahlwerbung für die CDU-Landesregierung. Bevölkerung und Wirtschaft haben keinen Nutzen von ihr.“