Dr. Thomas Spies (SPD): Patienten sind nicht die Geiseln der Ärzte

Laut den letzten verfügbaren Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung liege das Durchschnittseinkommen der niedergelassenen Ärzte für GKV-Patienten bei rund 80.000 Euro. Dabei seien alle Praxiskosten bereits abgezogen. Dieser Betrag erhöhe sich durch Privatpatienten und so genannte IGeL-Leistungen um durchschnittlich weitere 20.000 bis 30.000 Euro jährlich. „Damit gehören Ärzte im Durchschnitt eindeutig zu den obersten 10 Prozent der Einkommensbezieher“, so Spies. Wer dann behaupte, Ärzte würden 30 Prozent umsonst arbeiten, der wolle offenbar in die Gruppe der obersten 3 Prozent aufsteigen. „Aber bezahlen müssen das die Supermarktkassiererin, der Handwerker und der kleine Angestellte mit ihren Beiträgen“.

Angesichts dieser Tatsachen sei es eine Ungeheuerlichkeit, wie Ärzte mit absurden Drohungen – nämlich das ganze Gesundheitswesen werde zusammenbrechen – den Patienten Angst machen wollten. „Diese ständige Panikmache zu Lasten der Patienten ist unerträglich.“

Allerdings gebe es eine erhebliche Ungerechtigkeit der Verteilung dieses Geldes unter den Ärzten. „Gute Ärzte kümmern sich um Patienten, nicht um die Abrechnungstricks“, sagte Spies. Deshalb seien gerade engagierte Ärzte die schlechten Verdiener unter den Ärzten. „Diese Aufgabe hätte die Kassenärztliche Vereinigung seit 40 Jahren lösen sollen, aber ihr fällt nichts ein, als mehr Geld zu fordern.“, sagte der Gesundheitspolitiker.

Deshalb werde es ein neues Honorierungssystem geben, mit dem Ärzte feste Preise für Leistungen erhalten. Dabei würden durch die Gesundheitsreform Pauschalen eingeführt, die „kreatives Abrechnen“ sehr viel schwerer machten und damit diese Ungerechtigkeit unter den Ärzten ausgleichen würden. „Gute Ärzte sollen anständig bezahlt werden, aber das ist ein Verteilungsproblem zwischen den Ärzten.“
Spies, der als Kritiker zahlreicher Punkte der Gesundheitsreform bekannt ist, lobte diese neue Honorierungsorganisation ausdrücklich. „Vielleicht bekommen wir dann endlich mal eine Chance, nicht immer über mehr Geld zu reden.“ Gerade die strukturelle Kritik vieler Ärzte und ihre berechtigte Unzufriedenheit mit ihren Arbeitsbedingungen gingen in den ewigen Rufen nach mehr Geld völlig unter. „Hier gibt es eine Mange zu tun, wenn man wirklich den Patienten und nicht nur das eigene Portemonnaie in den Vordergrund stellen will“, sagte Spies.