Habermann: Lehrerzimmer werden leerer, Klassenzimmer werden voller

„Der Widerstand gegen das pädagogisch völlig verfehlte neue Hessische Schulgesetz wächst, die Verstümmelung des gymnasialen Bildungsgangs und insbesondere der Generalangriff auf die wohnortnahe Schulversorgung stoßen auf heftige Ablehnung, die Klassen werden an vielen Schulen voller und die Lehrerzimmer werden leerer“, so skizzierte Habermann die schulpolitische Lage zu Beginn des Schuljahres 2004/2005.

Leider stehe den hessischen Schulen ein schwarzes Jahr bevor, denn es müsse mit dramatischen Verschlechterungen in der Lehrerversorgung zum Schuljahresbeginn gerechnet werden, so Habermann weiter. Kultusministerin Wolff hatte dies bereits in der letzten Woche eingestehen müssen.

Insgesamt würden in Hessen rund 1.000 Lehrerstellen wegfallen. Dies sei eine Verschlechterung der Versorgung von 26.000 Lehrerstunden. Insgesamt fehlten an Hessens Schulen ausweislich des Zuweisungserlasses der Ministerin über 2.200 Stellen zur Abdeckung des Unterrichts, dies seien fast 60.000 Stunden.

„Es ist befremdlich, dass die Ministerin angesichts dieser unbestreitbaren Daten behauptet, die Unterrichtsversorgung sei vollständig gewährleistet. Davon kann wirklich keine Rede sein, denn rechnerisch ergibt sich eine Unterrichtsabdeckung von 93,6%“; so Habermann.

In Wirklichkeit seien aber auch diese Zahlen noch geschönt: Denn gleichzeitig habe die Landesregierung Förderstunden gekürzt, Poolstellen zum flexiblen, bedarfsgerechten Einsatz durch die Staatlichen Schulämter in die Grundunterrichtsversorgung verschoben und bei den sog. Vertretungsmitteln fast
9 Mio. Euro gespart. Hinzu kommen Rechentricks und Bilanzverschönerungen, die sich nicht positiv auf die Realität an Hessens Schulen auswirken würden.

„Vor allem an den Grundschulen wird das Versprechen der Verlässlichkeit der Schulzeiten nicht eingelöst. Zurückgehende Lehrerversorgung und die komplizierte Stundenplangestaltung aufgrund der generellen Arbeitszeitverlängerung führen zu erheblichem Durcheinander an den Schulen. Von besonderen Anstrengungen der Landesregierung ist an dieser Stelle überhaupt nichts zu bemerken“, stellte Habermann fest.

Daran könne auch die so genannte Sondermaßnahme zur Einstellung von Vertretungslehrern nichts ändern, die insbesondere für die Unterrichtsversorgung der zu erwartenden 9000 zusätzlichen Schüler an den beruflichen Schulen und in den weiterführenden Bildungsgängen der allgemein bildenden Schulen durchgeführt werde. Vielmehr sei es ein bildungspolitischer Offenbarungseid, zunächst die Vertretungsmittel zu kürzen und danach unerwünschte Schüler zu einer Sondergruppe abzustempeln, die man an der Schule eigentlich nicht mehr unterrichten wolle.

Aber auch an den Schulen mit Ganztagsangeboten werde die Arbeit deutlich erschwert. Vielerorts sei zu befürchten, dass die Mehrarbeit ohne zusätzliches Personal geleistet werden müsse.

„Die erhöhte Zuweisung wird schlichtweg von der Arbeitszeitverlängerung für die Lehrkräfte aufgefressen. Dann stehen zwar rechnerisch mehr Stunden zur Verfügung, nicht aber mehr Schultern, die die Arbeit tragen“, so Habermann. Im Ergebnis würden die engagierten Lehrerkollegien, die sich auf den Weg hin zu einer Ganztagsschule gemacht hätten, doppelt bestraft.

Zusammenfassend bezeichnete Habermann die Politik der Landesregierung als gescheitert. Kultusministerin Wolff stehe vor einem Scherbenhaufen aus rückwärtsgewandter Pädagogik und finanzpolitischem Unvermögen ihres Kabinettskollegen Weimar. Die versalzte Suppe müssten jetzt die Schulen und letztendlich die Kinder und Jugendlichen auslöffeln.

„Darauf wollen wir als SPD-Landtagsfraktion auch die Öffentlichkeit im Rahmen unserer Kampagne zur Bildungspolitik aufmerksam machen“, so Habermann, die abschließend das neue Kampagnenmotiv mit der Überschrift „Bildung in Hessen: gerupft und abgekocht“ vorstellte.

Darüber hinaus wies sie auf die Kampagnenhomepage www.wissenwollen.de hin. Insbesondere Eltern seien dazu eingeladen, in einem eigens eingerichteten Forum von persönlichen Erfahrungen zu Schuljahresbeginn zu berichten.