Quanz: Die Pflicht nicht erfüllt und die Kür abgeschafft

„Die offizielle Regierungspropaganda, dass die Unterrichtsgarantie erfüllt sei, stimmt mit der Wirklichkeit an Hessens Schulen zum Beginn des Schuljahrs bei weitem nicht überein. Die eigenen Zahlen aus dem Kultusministerium belegen, dass weiterhin Lehrerstellen fehlen und dies insbesondere in den Beruflichen Schulen. Die tägliche Unterrichtssituation an vielen hessischen Schulen beweist Eltern, Lehrern und Schülern, dass die Regierung mit ihrem Wahlversprechen gescheitert ist", sagte Quanz. Diese Tatsachen würden auch dadurch nicht aufgewogen, dass sich die Landesregierung bemüht habe, die Unterrichtsabdeckung nach Stundentafel zu verbessern.

Quanz kritisierte vielmehr, dass dem Versuch, den Unterrichtsausfall zu reduzieren, viele positive Entwicklungen an hessischen Schule geopfert worden seien. „Dies macht viele zarte Pflänzchen einer Qualitätsentwicklung unserer Schulen platt.“ Er verwies darauf, dass u.a. die Grundschule mit festen Öffnungszeiten nunmehr endgültig ausgelaufen und damit ein professionelles, pädagogisches Angebot für alle Schülerinnen und Schüler zu verlässlichen Öffnungszeiten durch ein Betreuungsmodell-light ersetzt worden sei, dass die Klassengrößen an hessischen Schulen stetig gestiegen seien, dass nie zuvor so viel Unterricht fachfremd gegeben worden sei und die Lehreraus- und -fortbildung völlig ausgezehrt sei.

„Die Qualität des Unterrichts, die Qualität der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer spielt bei dieser Regierung offensichtlich eine völlig nachgeordnete Rolle. Wer die schulischen Leistungen aber verbessern will, der darf nicht nur völlig einäugig auf das Reduzieren des Stundenausfalls setzen, sondern muss gleichzeitig schauen, wie die Qualität des Unterrichts entwickelt werden kann. Ein schlechter Unterricht in großen Klassen ohne die wichtigen pädagogischen Zusatzangebote ist keine brauchbare Alternative“, so Quanz.

Genau dies sei aber die Folge der konservativen Bildungspolitik: Viele Schulen müssten ihr Schulprogramm ändern und das, was an Profilbildung bisher möglich war, zurück nehmen, weil die Abdeckung des Pflichtunterrichts alle anderen pädagogischen Maßnahmen überlagere. Jede vierte Klasse an weiterführenden Schulen in Hessen habe mehr als dreißig Schüler. An zahlreichen Schulen seien Klassengrößen von 35 bis 37 Schülern keine Ausnahmen mehr.

„Eine erfolgreiche Bildungspolitik muss alle Bedingungen des Lernens mit einbeziehen. Für erfolgreichen Unterricht sind solche Klassengrößen an unseren Schulen völlig unzumutbar,“ kritisierte Quanz.

Er stellte in seinem Fazit zur bisherigen Regierungsarbeit fest, dass die Regierung Koch in wesentlichen Bereichen der Bildungspolitik völlig versagt habe und auch keine Konzepte für die Weiterentwicklung der Schulen vorgelegt habe.

Es gebe weder ein Regierungskonzept für frühkindliche Bildung oder die Schaffung von Ganztagsschulen, noch für die Neuordnung der Lehrerausbildung oder die Stärkung der Unterstützungssysteme, bemängelte Quanz. Statt dessen setze die Regierung auf verstärktes Aussortieren und verminderte Bildungschancen. Die Zugangsvoraussetzungen zu höheren Bildungsgängen, das neue Einschulungsverfahren, die Verminderung von Förderangeboten und die erhöhte Zahl der Sitzenbleiber und Schulversager seien nur einige wenige Beispiele.

Die SPD hingegen habe in den vergangenen Monaten ein Konzept für eine Vorschule für alle fünfjährigen Kinder, für die Neuordnung der Lehreraus- und -fortbildung und für die Einrichtung von 500 Ganztagsschulen in Hessen vorgelegt.

Quanz verwies darauf, dass Ganztagsschulen die Chance böten, um viele Defizite, die sich in den letzten Jahren in Hessen verstärkt hätten, aufzulösen. Wenn jede vierte Schule in Hessen mit zusätzlichen pädagogischen Angeboten am Nachmittag ausgestattet werde, so könnten gezielte und weitergehende Fördermaßnahmen für alle Schülergruppen einsetzen. Die Ganztagsangebote müssten aber mehr sein, als das, was die jetzige Regierung veranstalte, nämlich nur ein Mittagessen anzubieten und danach die Schule ohne weiteres pädagogisches Profil auszustatten.

Quanz dazu abschließend: “Mit unserem Konzept von Ganztagsschule wollen wir mehr erreichen als nur ein warmes Mittagssüppchen und anschließend eine Betreuung durch außerschulisches Personal. Wir brauchen die pädagogische, die qualitative Weiterentwicklung aller Schulen in Hessen; ganztägige Angebote und Ganztagsschulen können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Diese Regierung ist nicht in der Lage, auch nur ansatzweise, ein solches Konzept auf den Tisch zu legen.“