Fuhrmann: Frauenfeindliche Politik der Landesregierung

Doch mit ihrer frauenfeindlichen Politik der Modellvorhaben und Experimentierklauseln wird Hessen auch in 300 Jahren keinen Schritt weiter sein als heute. Was sie als innovativ und fortschrittlich bezeichnen, ist Politik gegen die Interessen von Frauen im öffentlichen Dienst.

Sie sagen, Sie wollen den Frauenanteil in Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, erhöhen. Nichts anderes wollen wir seit Jahren bzw. nichts anderes will das Gesetz erreichen! Warum streichen sie dann das wichtigst Instrument heraus aus dem Gesetz, die Frauenförderpläne? Es ist völlig unlogisch, das Gesetz seines schärfsten Instrumentes zu berauben, nämlich der Überprüfungsmöglichkeit, und auch noch zu behaupten, dies im Interesse der Frauen zu tun!

Sehr geehrte Frau Lautenschläger, ich habe bis heute gehofft, Sie würden die logische Konsequenz aus der Anhörung ziehen und (- wie schon Frau Mosiek-Urbahn -) die Experimentierklausel zurück in die Schublade legen. Die Hoffnung, dass der Entwurf dort landet, wo er eigentlich hingehört, nämlich in der „im Papierkorb“, habe ich längst aufgegeben. Ich hatte gehofft, Sie würden es sich noch einmal überlegen und davon Abstand nehmen, das Gleichstellungsgesetz auszuhebeln.

Sie reden von Frauenförderung und Chancengleichheit. Doch was bei ihren Initiativen herauskommt, sind Sprechblasen und Rückschritte, die uns (Frauen) geradewegs an den Anfang des Jahrhunderts zurück katapultieren. Hören sie auf, schöne Reden über Frauenförderung oder Frauen in Führungspositionen zu halten und handeln sie – endlich!

Wir haben zwar eine steigende Frauenerwerbsquote, die bei etwa 40 Prozent liegt, und die rechtliche Gleichstellung (Grundgesetz) erreicht, aber wir sind von Chancengleichheit noch Lichtjahre – im öffentlichen Dienst 238 Jahre – entfernt!

1. Wir haben unterschiedliche Beschäftigungschancen: Die Stellensuche von Frauen dauert im Durchschnitt nicht nur länger, Frauen finden seltener eine adäquate Stelle.

2. Bei gleicher Qualifikation kommen Männer schneller beruflich voran als Frauen: Ihr Verdienst steigt schneller und sie werden eher befördert.

3. Frauen und Männer werden in unterschiedlichen Bereichen und Funktionen eingesetzt: Frauen leiten eher Fortbildungsmaßnahmen als in den Vorstand oder das Management einzuziehen.

4. Bei gleichen Aufgaben (und natürlich gleicher oder sogar besserer Qualifikation) erhalten Frauen nicht den gleichen Lohn. Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Personalführung erhalten Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer

Angesichts dieser Fakten ist es nicht verwunderlich, dass Top-Management-Positionen, d.h. gut bezahlte Jobs – frauenfreie Zone sind. Bei den Uni-Professorinnen liegen wir im europäischen Vergleich mit 7 % weit hinter der Türkei (21,5 %).

Es ist unsere Aufgabe – auch wenn es manche Frau / mancher Mann als nicht so dringend ansieht – durch die Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Chancengleichheit schnellstmöglich herzustellen. Ich möchte nicht bis 2240 oder länger warten, sondern jetzt gleich damit anfangen.

Deshalb fordere ich die Koalition auf:

– Sorgen sie für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf;
– Fördern Sie das Umdenken auf Seiten der Männer, indem sie ihnen klar machen:

o die junge „Frau“ von heute findet nicht in Hausarbeit und Kindererziehung ihre Erfüllung,

o sie – die Männer – müssen die Hälfte der Arbeit mit übernehmen,

o Frauenförderung wird auf absehbare Zeit zur Herstellung von Chancengleichheit und Gerechtigkeit gebraucht,

und last but not least: Schaffen Sie gesetzliche Regelungen mit entsprechenden Sanktionsmöglichkeiten und hören sie auf, die mühsam erkämpften gesetzlichen Rahmenbedingungen zu demontieren!“