Pfaff: Qualitätsoffensive in der Tourismus-Branche notwendig

„Nach rund einjähriger Bearbeitungszeit liegt nun endlich die Antwort auf die Große Anfrage zur Entwicklung des Tourismus in Hessen vom 5. März.2001 vor. Nicht hinnehmbar ist, dass die Landesregierung die Bearbeitung der Großen Anfrage zunächst auf Eis gelegt und erst nach einem Jahr dem Landtag zugeleitet hat.

Heute kann ich hier trotz allem feststellen: Unsere Große Anfrage hat etwas in Bewegung gebracht. Die Landesregierung hat inzwischen den Dornröschenschlaf der ersten beiden Regierungsjahre aufgegeben. Und sie hat inzwischen parallel zu unserer Anfrage eine Neukonzeption in Auftrag gegeben. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, den wir ausdrücklich unterstützen. Das für Ende letzten Jahres angekündigte Neukonzept liegt erst seit wenigen Tagen vor. Mit Halbherzigkeit und gebremstem Schaum werden Sie die Wettbewerbsfähigkeit der hessischen Tourismuswirtschaft nicht stärken können.

Die Antwort auf die Große Anfrage zeigt sehr eindrucksvoll welch hohe Bedeutung der Tourismus in Hessen als Wirtschaftsfaktor und auch gerade als Beschäftigungsfaktor hat. Diese beeindruckenden Eckdaten geben allerdings keinen Anlass zum Jubeln – ganz im Gegenteil.

Die touristische Entwicklung der letzten Jahre zeigt in Hessen z.T. erhebliche bis dramatische Einbußen bei der Anzahl der Gäste, der Übernachtungen und der Bettenauslastung auf. Dem Einbruch bei den Übernachtungen folgte ein schwerwiegender Arbeitsplatzverlust. Ursache dieser dramatischen Einbußen ist die Gesundheitsreform der Kohl-Regierung, die zu der sogenannten Kurkrise geführt hat.
An der verfehlten Politik der CDU-Regierung unter Helmut Kohl leidet Hessen immer noch. Erst seit wenigen Jahren hat sich die Lage stabilisiert und es geht leicht aufwärts. Nach Einschätzung der Landesregierung, die der Großen Anfrage zu entnehmen ist, bleibt die Situation der meisten hessischen Kur- und Heilbäder jedoch kritisch. Hessen verliert ständig Marktanteile an ausländische Reisziele, der Bekanntheitsgrad und das Image der Reiseziele in Hessen sind im Bundesvergleich unter durchschnittlich ausgeprägt.

Deshalb muss das Land stärker der Verantwortung hinsichtlich seiner Entwicklungs- und Koordinationsfunktion sowie mit einer weiter verbesserten Mittelausstattung gerecht werden. Um die hessischen Reiseziele im hart umkämpften Tourismusmarkt wettbewerbsfähiger zu machen, müssen dringend die Tourismusstrukturen gestrafft und modernisiert werden. Es müssen Marketing, Produkte, Buchungssysteme und Qualitätsstandards weiterentwickelt und nicht zuletzt neue Medien wie das Internet noch stärker als Marketinginstrument genutzt werden. Wir müssen weg von den Tourismusregionen in Kreisgrenzen und hin zu wenigen attraktiven Landschaftsregionen in Hessen, die sich als Dachmarken besser positionieren lassen. Das heißt: Nicht jeder muss alles können – Konzentration auf bestimmte Kernkompetenzen ist angesagt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine klare Verteilung der Aufgaben und Kompetenzen zwischen der Ortsebene, den Regionalverbänden, dem Dachverband und dem Land Hessen. In den klassischen deutschen Ferienländern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein werden mittlerweile die Dachverbände in GmbHs umgewandelt. Ziel ist es, mit der privatrechtlichen Organisationsform die Wirtschaft nicht nur für eine Beteiligung, sondern auch zur Mitfinanzierung der Marketingaktivitäten zu gewinnen. Auf dieser Basis können leichter „private-public-partnerships“ entstehen, die wir in Zukunft auch in Hessen in höherem Maße brauchen.

Ein weiterer wichtiger Punkt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist das Qualitätsmanagement. Ziel muss es sein, eine hervorragende Qualität in allen Bereichen und einen zuvorkommenden Service zu bieten, der nicht zuletzt zu einer neuen Service-Kultur im hessischen Tourismus führen soll. Ich begrüße daher die geplante Qualifizierungsoffensive die das Ministerium in diesen Tagen vorstellen will. Allerdings ist Hessen hier nicht vorn, sondern ebenfalls ganz am Ende der Karawane.“