Bökel: Ethisch verantwortbare Regelungen für Präimplantationsdiagnostik und Stammzellenforschung schaffen

„Der 26. Juni 2000 war ein historisches Datum. Seit diesem Tag gilt das Erbgut des Menschen als weitgehend entschlüsselt. Die Biotechnologie eröffnet Chancen, die Medizin zu verändern. Anstelle von Diagnose und Therapie können Erkennung und Verhütung treten.

Wir sehen es als vorrangige staatliche Aufgabe an, die immer noch bestehenden Benachteiligungen geistig und/oder körperlich behinderter Menschen in unserer Gesellschaft und die besonderen Belastungen, welche die Pflege und Erziehung eines behinderten Kindes für die betroffenen Eltern bedeuten, auszugleichen.

Die große Mehrheit der Abgeordneten meiner Fraktion, für die ich hier spreche, will die Präimplantationsdiagnostik in den Fällen zulassen, in denen eine Erbkrankheit von erheblicher Schwere droht. Dies soll nicht nur dann möglich sein, wenn die Eltern auf eine In-vitro-Fertilisation angewiesen sind. Sondern, die PID soll auch dann angewendet werden können, wenn die Eltern auf natürlichem Wege zeugen könnten.

Die PID muss in gleichen Grenzen verantwortbar sein, wie die medizinische Indikation beim Schwangerschaftsabbruch. Die PID ist also ein rein diagnostisches, kein therapeutisches Verfahren, also kein Eingriff in die Erbsubstanz. Sie stellt ein Verfahren dar, das voraussetzt, dass zumindest ein Elternteil aufgrund von genetischer Veranlagung eine schwere Krankheit vererben könnte.

Vieles erinnert mich heute an den Entscheidungsprozeß zu den §§ 218 und 218a StGB. Ich war dabei, als wir nächtelang im Vermittlungsausschuss gerungen, gezweifelt und letztlich entschieden haben. Wir redeten und reden von medizinisch-sozialer Indikation. Das war ein Dammbruch. Aber der Gesetzgeber hat ihn gewollt.