Bökel: Vorschulische Bildung für alle ist die notwendige Konsequenz aus der Pisa-Studie

Die Pisa-Studie habe für das deutsche Schulwesen insgesamt dramatische Erkenntnisse ergeben. In den Fächern Deutsch, Naturwissenschaften und Mathematik rangiere Deutschland weit unter dem internationalen Schnitt. Kein anderes Industrieland habe prozentual so viele Bildungsverlierer wie Deutschland. Nirgendwo seien die Unterschiede zwischen guten und schlechten Schülern so groß wie hier und nirgendwo hätten es Schüler aus unteren sozialen Schichten so schwer, ihre geistigen Fähigkeiten zu entwickeln, sagte Bökel.

Für die SPD sei die Konsequenz dieser Befunde, dass das Lernen früher einsetzen müsse. "Wir wollen die vorschulische Kinderbetreuung zu Angeboten frühkindlicher Bildung weiterentwicklen. Unser Ziel ist es, Kinder besser auf die Schule und Schule besser auf Kinder vorzubereiten. Der Übergang kann dann früher, angstfreier und gleitender erfolgen. Wir wollen, dass die natürliche Neugierde der Kinder zu erster Bildung genutzt wird.", sagte Bökel. Die bisherige Einschulung mit einem Durchschnittsalter von knapp sieben Jahren erfolge zu spät, Kinder sollten tatsächlich mit sechs Jahren eingeschult werden.

Ein Vorschuljahr für alle Fünfjährigen müsse für die Eltern gebührenfrei sein und vom Land finanziert werden. "Das bedeutet auch eine erhebliche Entlastung der Familien", so der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Scharf kritisierte Bökel Äußerungen von Ministerpräsident Koch, wonach er Vorschulen und Ganztagsschulen zum "Katalog der Unsinnigkeiten" zähle. "Wer so redet, hat beim Thema Wissensgesellschaft nichts verstanden."

Das Leitbild der Landesregierung in der Bildungspolitik sei, möglichst frühzeitig auszulesen. "Damit werden Bildungsverlierer und Bildungsgewinner produziert." Die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen werde immer stärker eingeschränkt. So machten die neuen Lehrpläne den Wechsel von einer Schulform in die andere nahezu unmöglich. "Das ist die falsche Antwort auf die Pisa-Studie: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Durchlässigkeit. Wir wollen nicht, dass nach der vierten Klasse feststehen soll, wer sich zum Facharzt oder zum Facharbeiter eignet."

Beim Thema Ganztagsschule hielt Bökel der Regierung einen schwankenden Kurs vor. "Wir haben hier die Meinungsführerschaft übernommen und Sie laufen uns kopflos hinterher." Die SPD habe mit ihrem Kleinen Parteitag eine klare Festlegung getroffen, wie der Ausbau von Ganztagsschulen nach dem angestrebten Regierungswechsel erfolgen werde.