Quanz: PISA verlangt Ganztagsschulen und frühe Förderung aller Schülerinnen und Schüler

Die Studie zeige, dass möglichst frühe gezielte Förderung den Lernerfolg der Kinder verbessere. Nicht verstärkte Auslese, sondern mehr förderndes und anwendungsorientiertes Lernen seien notwendig, insbesondere auch mehr ganztägige Angebote sowohl im Kindergarten als auch in den Schulen, um die Qualität von Bildung zu verbessern. Daher werde die SPD an der Umsetzung der Ganztagsschule festhalten und in den nächsten Monaten ein Konzept vorstellen, das die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Grundschule neu ordne. "Unser Ziel ist es, möglichst alle Kinder ab dem fünften Lebensjahr mit Bildungs- und Förderangeboten zu erreichen", kündigte Quanz an.

Dies werde dadurch unterstrichen, dass die im internationalen Vergleich erfolgreichen Bildungssysteme alle ganztägig arbeiten und außerdem erst zu einem späten Zeitpunkt nach Leistungsniveaus differenzierten und somit längeres gemeinsames Lernen der Kinder ermöglichen. "Wenn wir also von den erfolgreichen Staaten lernen wollen, müssen wir dies berücksichtigen und nicht aus ideologischen Gründen das dreigliedrige Schulsystem in Hessen restaurieren", erklärte Quanz.

Die Hessische Landesregierung befinde sich also ganz offensichtlich auf einem bildungspolitischen Irrweg. Die Koch-Regierung setze auf frühe Teilung der Schülerinnen und Schüler in drei Bildungssysteme. Diese Bildungssysteme würden zudem noch abgeschottet durch unterschiedliche Stundentafeln und durch eigene Lehrpläne. "Die internationale Studie zeigt, dass dies nicht zu Erfolgen führt. Die guten Schülerinnen und Schüler werden dadurch nicht besser gefördert und besonders negativ ist dies für die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler, für die Bildungserfolge durch die Separierung deutlich erschwert werden", kritisierte Quanz.

Die Studie PISA lege dar, dass offensichtlich unsere Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu den gleichaltrigen 15jährigen in 32 Ländern insgesamt nicht genügend vorbereitet seien, um in der Konkurrenz zu bestehen. Die Lesefähigkeit als Hauptmerkmal der Untersuchung sei Grundvoraussetzung für alle Lern- und Bildungsprozesse. Die Untersuchung zeige, dass unsere Schülerschaft im Durchschnitt schlechter mit Texten umgehen könne als in den anderen Ländern. Besonders negativ sei, dass über 20 Prozent der untersuchten Jugendlichen unterhalb des Durchschnitts der OECD-Mittelwerte liegen. "Diese Schülerinnen und Schüler sind somit nicht ausreichend auf die Erfordernisse einer modernen Arbeitswelt vorbereitet", fürchtet Quanz in seiner Stellungnahme.

Gleichzeitig zeige diese Studie, dass es vielen Ländern gelingt, nicht nur das gesamte Bildungsniveau zu heben und auch Spitzenleistungen zu fördern, sondern gleichzeitig deutlich mehr Schülerinnen und Schüler zu höheren Bildungsabschlüssen zu führen. Die Bildungsunterschiede in Deutschland seien unverantwortlich groß, ohne dass jedoch die Leistungsstarken international mit an der Spitze lägen, dafür aber seien umgekehrt die Leistungsschwächeren gegenüber der internationalen Konkurrenz deutlich abgehängt.

Ferner sei die soziale Herkunft der Schülerinnen und Schülern in Deutschland, anders als in den meisten anderen Ländern, besonders entscheidend für den Bildungserfolg. "Es muss auch in Deutschland möglich sein, den Erwerb von Bildung unabhängig von sozialer Herkunft zu gewährleisten", begründete Quanz weitergehende Forderungen zur Entwicklung unserer Schulen.

Darüber hinaus gebe die Studie auch eindeutig Auskunft darüber, dass nicht eine Ursache für den schulischen Erfolg ausschlaggebend sei, sondern dass viele Ursachen mit ganz unterschiedlichen Wirkungen letztendlich über den Bildungserfolg entscheiden. So müsse man u.a. das jeweilige Schulklima berücksichtigen, dass z.B. Leistungen positiv gewürdigt und verstärkt würden. Schülerinnen und Schüler müssten genauso wie Lehrerinnen und Lehrer sich mit ihrer Schule identifizieren. Schuldisziplin und angstfreies Lernen seien dringend notwendig für den Bildungserfolg. Darüber hinaus werde deutlich, dass mehr Selbstverantwortung der einzelnen Schule der richtige Weg sei und die zunehmende Gängelung durch die Administration von Wiesbaden aus in Hessen genau den falschen Weg markiere.

"Die SPD-Landtagsfraktion hat mit ihrer Konzeption die richtigen Konsequenzen bereits gezogen. Wir müssen früher mit gezielter Bildungsförderung einsetzen. Wir müssen früher Maßnahmen ergreifen, um mehr Chancengleichheit herzustellen und soziale und milieubedingte Defizite aufzufangen. Wir müssen in den Kindertagesstätten und in der Grundschule zusätzliche Bildungs- und Fördermaßnahmen ergreifen und auch zusätzliche Ressourcen bereitstellen. Die Entwicklung von ganztägigen Angeboten in Kindertagesstätten und in den Schulen ist zwingende Voraussetzung dafür, dass wir den Bildungserfolg insgesamt verstärken", erläuterte Quanz die Position der SPD.

Als weiteren Bereich sprach der SPD-Abgeordnete die Unterrichtsqualität an, die im Mittelpunkt von Schule stehe. Die Unterrichtsqualität entscheide maßgeblich darüber, welche Bildungserfolge Schülerinnen und Schüler erzielten. Deshalb müsse mehr als bisher gewährleistet sein, dass Schülerinnen und Schüler zu kreativem Lernen, zu handlungs- und selbstorganisiertem Lernen angehalten werden, dass anwendungsbezogenes Lernen im Mittelpunkt stehe. Der Versuch von Kultusministerin Wolff über mehr Pauken von Wissen bessere Bildungserfolge zu erzielen, erweise sich deshalb ebenfalls als völlig falscher Ansatz.

Um die Unterrichtsqualität zu verbessern, müsse man dringend eine Reform der Lehreraus- und -fortbildung in Gang setzen. Lehrerinnen und Lehrer müssten besser auf den Arbeitsplatz Schule, auf die Förderung von Kindern vorbereitet werden. Die fachwissenschaftliche Ausbildung stehe zu sehr im Mittelpunkt. Vielmehr müssten in der universitären Ausbildungsphase verstärkt didaktische Überlegungen, erziehungswissenschaftliche und psychologische Erkenntnisse und schulpraktische Studien im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus müsse ein lebensbegleitendes Fortbildungsangebot für alle Lehrerinnen und Lehrer verpflichtend sein, aber auch durch entsprechende Organisation ermöglicht werden.

"Es gilt also ein Bündel von Reformen anzupacken, um die Qualität unserer Schulen zu verbessern. Die derzeitige Landesregierung ist aufgrund ihrer ideologischen Erstarrung nicht in der Lage, aus den wissenschaftlichen Studien die richtigen Konsequenzen zu ziehen und eine zukunftsfähige Schulpolitik im Interesse unserer Kinder und Jungendlichen auf den Weg zu bringen. Die eingebrachte Novelle zum Schulgesetz setzt völlig falsche Akzente und führt unsere Schule nicht in die Zukunft, sondern die Fehler konservativer Politik der Vergangenheit werden konsequent fortgesetzt", fasste Quanz seine Kritik an der schwarz-gelben Regierung in Wiesbaden zusammen.