Quanz: Haushalt ohne bildungspolitische Perspektive

"Staatsministerin Wolff hat einen Haushalt vorgelegt ohne jegliche Vision, wie Schule besser zu machen ist. Ohne Idee, wie wir den Anschluss schaffen an europäische Nachbarländer, die in den internationalen Vergleichsstudien deutlich besser abschneiden", sagte Quanz.

Der Abgeordnete kritisierte, dass der Haushalt lediglich die Unterrichtsabdeckung im Blickfeld habe, aber alle Entwicklungen von Qualität an den Schulen keine Rolle spielten. So würden die Unterstützungssysteme weiter finanziell ausgeblutet. Die Studienseminare hätten zwar deutlich mehr Referendare auszubilden, dies aber bei gleich bleibender oder sogar sinkender Zahl der Stellen für die Ausbilder. Bei der Lehrerfortbildung würden Stellen weggenommen, obwohl der Bedarf in der Lehrerfortbildung ständig steige.

Völliges Versagen warf Quanz der Ministerin bei der Entwicklung von Ganztagsschulen vor. Sie habe bis heute nicht begriffen, dass nicht nur dringender gesellschaftlicher Bedarf an vielen Orten und in vielen Schulgemeinden für Ganztagsschulen vorhanden seien, sondern dass es ganz besonders darauf ankomme, die Qualität schulischer Leistungen damit entscheidend zu verbessern. Die Ministerin leugne, dass Ganztagsschulen einen besonderen Bildungsauftrag hätten und deshalb vom Land entscheidend mit Personal und konzeptioneller Hilfestellung ausgestattet werden müssten. Offensichtlich sei nur auf Drängen des kleinen Koalitionspartners FDP ein Miniprogramm für die Weiterentwicklung von Ganztagsangeboten in Hessen vorgesehen.

"Wir wollen aber mehr als nur ein bisschen Mittagessen und anschließend unzureichende Betreuung. Unter Ganztagsschulen verstehen wir,
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·eine pädagogische Weiterentwicklung,
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·eine Förderung aller Schülerinnen und Schüler,
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·eine Förderung aller Begabungen.
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Ganztagsschulen sind eine zeitgemäße Antwort auf gewachsene Ansprüche an schulische Bildung. Sie sind aber auch eine zeitgemäße Antwort auf veränderte familiäre Strukturen und zusätzliche Erwartungen seitens der Wirtschaft an unsere Schulabgänger", sagte Quanz. Die Ministerin sei offensichtlich von einem konservativen Bildungsverständnis so befangen, dass sie nicht in der Lage sei, pädagogische Weiterentwicklung im Lande Hessen zu betreiben.

Der schulpolitische Sprecher verwies darauf, dass die im Moment in der Diskussion befindlichen Verordnungen zum Übergang in die weiterführenden Schulsysteme der Sekundarstufe II dazu führen würden, dass in Hessen viele Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss in Zukunft keine Chance mehr haben werden, das Fachabitur oder das Abitur und die allgemeine Hochschulreife zu erreichen. "Diese Ministerin betreibt massiven Bildungsabbau. Viele Schülerinnen und Schüler werden Bildungs- und damit Zukunftschancen genommen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass kleinere Schulstandorte für die Fachoberschulen und für die beruflichen Gymnasien bzw. den gymnasialen Oberstufen in Zukunft in ihrem Bestand gefährdet sind".

Die Ministerin sei auf dem Weg Hessen zurück zu entwickeln. "Wir werden dann nicht Bildungsland Nr. 1, sondern Bildungsland Nr. 16 in Deutschland sein, wenn diese Regierung diese Politik weiterhin verfolgt", kritisierte Quanz.