Walter: 700.000 DM Schwarzgeld ungetarnt auf reguläres CDU-Konto – Koch, Jung und Seitz in neuer Erklärungsnot

Der Weg des Geldes ist inzwischen nachvollziehbar. Horst Weyrauch hat am 26. November 1992 700.000 DM bei der UBS in Zürich abgehoben. Einen Tag später wurde das Geld auf das Treuhandanderkonto 56381-01 der Weyrauch und Kapp GmbH für die Hessen-CDU bei der Bank Hauck&Aufhäuser bar eingezahlt. Es wurde nach Recherchen von Ernst&Young in drei Tranchen auf das reguläre CDU-Konto 5682000 bei der Commerzbank in Wiesbaden überwiesen: 200.000 DM jeweils am 1. und 2. Dezember 1992, 300.000 DM am 3. Dezember 1992. "Es ist wohl kein Zufall, dass diese Überweisungen Anfang Dezember erfolgten, denn am 7. Dezember 1992 zahlte der CDU-Landesverband 406.954 DM an die Fraktion, um den Schaden auszugleichen, den Franz-Josef Reischmann dort verursacht hat. Damit ist für uns evident, dass die Fraktionskasse mit Schwarzgeld wieder aufgefüllt wurde", so Walter.

Angesichts des Zeitdrucks – offensichtlich sollte der Ausgleich der Fraktionskasse 1992 erfolgen – sei die Hessen-CDU unvorsichtig geworden. "Da wurde nicht mehr mit sonstigen Einnahmen oder angeblichen jüdischen Vermächtnissen getrickst, da wurde schnell Geld gebraucht und deshalb auf die erprobte Tarnung verzichtet. Doch damit ist Siegbert Seitz endgültig aufgeflogen: Ihm muss mehr bekannt gewesen sein, als die bislang zugestandenen Kenntnis von der "Sponsorentätigkeit" des Prinzen Wittgenstein."

Es stelle sich jetzt die Frage, warum Ministerpräsident Koch, der seit Oktober von der Einzahlung der 700.000 DM auf ein reguläres CDU-Konto wusste, dies vor dem Schwarzgeld-Untersuchungsauschuss nicht präzise dargestellt habe. "Hier war wieder einmal der brutalstmögliche Vertuscher am Werke. Und obwohl der Vorgang gerade im Hinblick auf Siegbert Seitz erhebliche Fragen aufwirft, hat Ministerpräsident Koch dessen bisherige Erklärungen ausdrücklich noch gerechtfertigt – offensichtlich wäscht hier eine Hand die andere", so Walter.

Auch Franz Josef Jungs Glaubwürdigkeit erleide neuen Schaden. Schon seine bisherige Darstellung sei völlig unglaubwürdig, wonach er weder den Auftrag für die Prüfung des Reischmann-Schadens durch die Weyrauch und Kapp GmbH erteilt hat – obwohl ihn die Berichte als Auftraggeber nennen – noch die beiden an ihn adressierte Berichte dazu erhalten hat, noch mit Weyrauch darüber telefoniert hat – obwohl seine Telefonnummer auf einem mit Datum 3. Dezember 1992 versehenen Entwurf des Reischmann-Berichts steht und Weyrauch in mehreren Briefen ausdrücklich auf Gespräche mit Jung verweist .

Nach Aktenlage stellt sich jetzt heraus, dass Jung für das Commerzbank-Konto 5682000 auch nach seinem Ausscheiden als Generalsekretär zeichnungsberechtigt war, auch zur Zeit der Transaktion der 700.000 DM im Dezember 1992. Noch am 22. Juli 1991 hat Jung für dieses Konto eine Unterschriftsprobe geleistet, erst ab 10. März 1993 wurde Jung nicht mehr als Zeichungsberechtigter geführt. "Jung muss umgehend erklären, was er nach seinem Ausscheiden als Generalsekretär noch mit den Finanzen des CDU-Landesverbands zu tun hatte. Seine bisherigen Erklärungen, sich ausschließlich um das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers gekümmert zu haben, sind durch diese neuen Fakten schwer erschüttert", sagte Walter.

"Die Mär vom geheimbündlerischen System ist einmal mehr in Zweifel gezogen. Koch muss sich fragen lassen, warum er gegen alle Erkenntnisse an dieser Legende festhält. Dafür gibt es nur einen einzigen plausiblen Grund: Jeder Mitwisser, der auffliegt, kann Koch mit in den Abgrund ziehen, weil auch er von den illegalen Millionen gewusst haben muss."