Quanz: Heftige Kritik von allen Seiten am Konzept zur gymnasialen Oberstufe

Die Pläne des Kultusministeriums sehen unter anderem die Bildung von Schwerpunkt-Klassen und die Reduzierung der Stundenzahl in den Leistungskursen vor.

"Dieses Konzept würde die Oberstufe direkt zurück in die sechziger Jahre führen. Damit gibt die Ministerin erneut Antworten von vorgestern auf die Problemstellungen von heute", kritisierte Quanz am Donnerstag in Wiesbaden.

Die Vorstellungen aus der pädagogischen Mottenkiste führten zu einer eindeutigen Abwertung der Leistungsfächer. Damit würde eine vertiefte Allgemeinbildung, die bisher in der Kultusministerkonferenz unstrittig war, aufgegeben und es würde das bewährte Kurssystem letztlich zu Gunsten von so genannten "Schwerpunkt-Klassen" geopfert. "Dies unterscheidet sich dann kaum noch von den früheren "Schwerpunktzweigen", nach denen bis in die siebziger Jahre hinein das Abitur durchgeführt wurde", sagte der SPD-Politiker.

Das Konzept von Kultusministerin Wolff wurde von verschiedenen Organisationen, u.a. der Direktoren-AG (Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter von Schulen mit gymnasialen Bildungsgang in Hessen) kritisiert, ebenfalls auch durch den Landessschülerrat. Quanz schloss sich in wesentlichen Teilen der Kritik der Direktoren-AG an. Diese befürchten einen drohenden Niveauverlust, insbesondere in den Leistungskursen, eine Nivellierung des Anspruchsniveaus. Dies würde insbesondere zu Lasten eines methodisch bewussten und selbstständigen Lernens und Arbeitens gehen – alles Forderungen, die zum Kurssystem und zur Strukturreform der Oberstufe in den siebziger Jahren geführt haben.

Die "Studierfähigkeit" unserer Abiturienten stünde erneut zur Disposition. Außerdem sei eine Schwerpunktbildung ausdrücklich erwünscht, sowohl seitens der Wirtschaft , als auch ganz besonders seitens der Universitäten. Da das Abitur auch künftig die Allgemeine Hochschulreife vermitteln soll, müsste gewährleistet sein, dass bereits in der Schule wissenschaft-propädeutisch gearbeitet werde, dies sei am besten über die Leistungskurse zu gewährleisten.

"Wer sich heute besonders darüber beklagt, dass zu wenige Schülerinnen und Schüler gerade in den Naturwissenschaften entsprechende wissenschaftliche Grundbildung erfahren, der darf in der Schule dann nicht noch zusätzlich Unterrichtsstunden in diesen Bereichen wegnehmen, sondern im Gegenteil: Wir müssen dafür sorgen, dass die Wahl von Leistungskursen in den Naturwissenschaften ausdrücklich gestärkt wird. Das ist die richtige Antwort auf die Problemlagen, die sich zeigen, weil wissenschaftlicher Nachwuchs besonders in den Naturwissenschaften gefragt ist", erklärte der Landtagsabgeordnete.

Er stellte ferner klar, dass die SPD-Fraktion in dieser so wichtigen Frage der Neuordnung der gymnasialen Oberstufe, die ganz entscheidend über die Konkurrenzfähigkeit hessischer Schülerinnen und Schüler mit entscheide, zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Regierungsfraktionen bereit sei.

"Für eine solche Kooperation ist es jedoch erforderlich, dass die Kultusministerin dieses Konzept wieder einmottet und zurück findet auf eine Diskussionsgrundlage, die geeignet ist, die Qualität des hessischen Abiturs und die Anforderungen für die nächste Schülergeneration kompetent zu gestalten", forderte Quanz.