Siebel: Landesregierung legt altbackenes Konzept zur Musikausbildung vor

Angestoßen durch einen Beschluss des Deutschen Musikrats aus dem Jahr 1990 wurde in Hessen seit dieser Zeit die Neuordnung der Musikausbildung diskutiert. Im wesentlichen ging es um die Forderung, die Ausbildungsabschlüsse an den Musikakademien auf das Niveau der Abschlüsse an der Musikhochschule anzuheben. Wesentlicher Grund dafür waren die damit verbundenen schlechteren Berufsaussichten hessischer Akademieabsolventen gegenüber Diplomanten aus anderen Bundesländern.

"Der nun von der Ministerin ins Gespräch gebrachte Neuordnungsversuch erfüllt aber genau diese Anforderung nicht. Es bleibt bei den Akademieabschlüssen zur "staatlichen Musiklehrerprüfung" (SMP) mit in der Tat verbesserten Übergangsmöglichkeiten der Absolventen auf die Musikhochschule. Allerdings mißachtet der Vorschlag die Vorarbeiten, die an fast allen Sitzstädten gemacht worden sind, um die qualifizierte Ausbildung der Akademien an Fachhochschulen und Hochschulen zu integrieren", sagte Siebel.

In Darmstadt beispielsweise seien die Verhandlungen zwischen der Fachhochschule und der Akademie für Tonkunst so weit gediehen, dass bereits Studienpläne vorliegen. In Wiesbaden wird eine Integration in den Fachbereich Medienwirtschaft mit entsprechenden Aufbaustudiengängen vorgeschlagen. Dies wäre ein wirklich innovativer Ansatz. Die Musikausbildung würde nicht nur unter dem Berufsbild des Orchestermitglieds gesehen, sondern in einer Richtung einer Musikfachausbildung, die sich auch den neuen Medien stellt. "Interdisziplinarität ist das Pfund, mit dem wir wuchern könnten. Diese Chance ist jetzt vertan", so Siebel.

Besonders schwer wiegt aber für Siebel die Tatsache, dass die Landesregierung sich nicht einmal an ihren eigenen Koalitionsankündigungen messen lassen könne. Dort heißt es: "Die Neuordnung der Musik- und Musiklehrerausbildung soll in Abstimmung mit den Sitzstädten der bisherigen Akademien, Konservatorien und den Hochschulen durchgeführt werden, so dass Qualität und Abschlußprofil anderer Länder erreicht wird". "Eine Abstimmung mit den Sitzstädten erfolgte aber nicht; wie sonst sind die Proteste zu deuten. Die Vergleichbarkeit mit anderen Ländern ist nicht erreicht. Im wesentlichen bleibt alles beim Alten", unterstrich der SPD-Politiker.

"Ich kommen zu folgendem Schluss: Die eiserne Lady hat entschieden. Sie hat aber keine, moderne, an den Bedürfnissen der Akademien und insbesondere auch der Auszubildenden orientierte Entscheidung getroffen. Da helfen auch nicht die 800000.-DM mehr als Trostpflaster für die Musikhochschulen", so Siebel abschließend.