Quanz kritisiert die Abschaffung des Faches Arbeitslehre an Gymnasien

Immer mehr Abgänger der Gymnasien, sowohl nach der Mittleren Reife als auch nach dem Abitur, strebten eine berufliche Ausbildung an. "Mir ist es unerklärlich, wie die hessische Kultusministerin es zulassen will, dass Abiturienten keine Kenntnisse von der Wirtschaftswelt erfahren sollen, in die sie unmittelbar nach der Schulzeit beruflich einsteigen. Gerade die Unternehmen verlangen Grundkenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge. Das Wissen, in welchen Strukturen die Arbeitswelt sich darstellt, ist Voraussetzung für den Einzelnen, seine Position darin zu erkennen und seinen Beitrag im Rahmen betrieblicher Abläufe zu leisten."

Eine ähnliche Kritik betrifft das Fach Arbeitslehre in dem derzeitigen Entwurf in der Realschule. Hier sei für die Jahrgangsstufen 7 und 8 Arbeitslehre überhaupt nicht mehr vorgesehen, gerade in den Jahrgängen, wo es notwendig sei, z.B. auf die Betriebspraktika hin zu orientieren. In 5 und 6 sei das Fach quasi als Ersatz für den alten Werkunterricht angedacht. Dies könne nicht die Grundlage für wirtschaftliche Kenntnisse darstellen.
In 7 und 8 entstehe dann eine Lücke und erst in 9 und 10 sei Arbeitslehre in Realschulen wieder vorgesehen. "Dies soll ein Mensch verstehen, dass in 5 und 6 Arbeitslehre instrumentalisiert wird gewissermaßen für ein anderes Fach, und erst in 9 und 10 die Schülerinnen und Schüler der Realschule Gelegenheit erhalten wenigstens etwas über die Berufs- und Arbeitswelt zu erfahren. Auch hier ist es dringend notwendig, das Fach Arbeitslehre entsprechend besser zu platzieren und mit neuen Inhalten auch für die Jahrgangsstufen 7 und 8 zu füllen."

Abschließend stellte Quanz fest, dass es unstrittig sei, dass man über eine Reform des Faches etwa im Bereich der Gymnasien habe nachdenken müssen, dass eine bessere Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer dafür notwendig sei und Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zusätzlich organisiert werden müßten. "Die richtige Konsequenz also ist: Eine Reform, eine qualitative Weiterentwicklung des Faches und eine qualifizierte Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer als Antwort auf neue gesellschaftliche Problemstellungen und eine Aufwertung insgesamt von wirtschaftlichen Kenntnissen und Zusammenhängen für die Schülerinnen und Schüler, aber nicht die Abschaffung und die Schlechterstellung des Faches im Rahmen der Stundentafeln", so Quanz abschließend als Forderung an die hessische Kultusministerin.